Alpin Notruf: 140
Woher kommen die steigenden Einsatzzahlen? (mit Video-Link und Tipps)

Woher kommen die steigenden Einsatzzahlen? (mit Video-Link und Tipps)

Der langjährige Bergretter und Experte Hubert Köttritsch (Ortsstelle Amstetten) spricht in ORF NÖ Heute (Video-Link) an, was viele unserer 1.300 Bergretter/innen derzeit bewegt und in Atem hält. Unsere Rettungsorganisation hat angesichts der schönen Tage und des guten Wetters Hochkonjunktur. Wie die Einsatzstatistik in diesem Jahr aussieht und was zu dem drastischen Anstieg geführt hat, lest Ihr hier. Außerdem findet Ihr hilfreiche Tipps unserer Redaktion.

In Summe waren es 540 Mal, dass Bergretterinnen und Bergretter in Niederösterreich im ersten Halbjahr 2019 ausrücken mussten. Das sind bereits drei Viertel der gesamten Einsätze des letzten Jahres – da waren es laut Statistik der Bergrettung NÖ/W 720 Mal in Summe. Das Kuratorium für alpine Sicherheit – es erhebt die Alpinunfalldatenbank gemeinsam mit der Alpinpolizei BM.I halbjährlich – hat festgestellt, dass ein Drittel aller Notrufe von unverletzten Bergsteigerinnen und Bergsteigern ausgehen. Das liegt einerseits an der schlechten Vorbereitung hinsichtlich der Wetter- und Tourenplanung, andererseits ist dies unzureichender Ausrüstung oder Kondition des Notrufers/der Notruferin geschuldet. Wiederum ist auch eine gute Ausrüstung kein Garant für eine vorfallsfreie Tour, denn oftmals fehlt es an Wissen, wie Klettersteigset, Selbstsicherung oder Seil zu handhaben sind.

Tipp: Unser Tipp lautet daher sich so oft als möglich an Kursen der Bergsportorganisationen wie dem Alpenverein anzuschließen und sich nachhaltiges Wissen anzueignen. Oft ist man in Notfallsituation so auf die eigene Unversehrtheit konzentriert, dass man die einfachsten Griffe, wie die Bedienung eines Klettersteigsets vergisst. Die Tourenplanung und das Studieren des Wetters hat jedenfalls am Vorabend zu erfolgen, sodass noch genügend Zeit zum Umdisponieren bleibt. Wenn kein oder schlechtes Vorwissen über die bevorstehende Tour besteht, empfiehlt es sich mindestens eine Wanderkarte des Alpenvereins oä. (1:25000 oder detaillierter) zu organisieren und zusätzlich GPS fähige Mobiltelefone und/oder Tracking Uhren mitzuführen. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass Datenverbindungen im Gebirge oft und gerne abreißen – eine mehrheitliche Absicherung durch Karte, Kompass und diverse Mobiledevices ist daher empfohlen.

Unsicherheitsfaktor Wetter?

Was viele noch von ihren bergaffinen Großeltern mit auf den Weg bekommen haben, gerät heute im Lichte des großen Zeit- und Freizeitstresses in Vergessenheit: Das Wetter kann in den Bergen blitzschnell umschlagen. Das hängt vor allem mit der Topographie und den Temperaturunterschieden in gebirgigen Regionen zusammen. Alle Schneeberg-erfahrenen Bergsteiger/innen zum Beispiel wissen, dass das Wetter hier immer eine konstante Unsicherheit birgt; Wind, Regen, Schnee und Sturm können auf der Fischerhütte plötzlich auftreten, wovor in Puchberg gerade noch strahlender Sonnenschein vorgeherrscht hat.

Wie verhält es sich mit eigener Geschicklichkeit und Kondition?

Nach wie vor stellen die Hauptgefahren des Bewegens im Bergland die fehlende Trittsicherheit, Balance und Kondition dar. Stürzen, Stolpern und Ausrutschen sind immer ein Zeichen von Müdigkeit und verminderter Konzentrationsfähigkeit nach anstrengenden Aufstiegshöhenmetern. Sobald man dies am eigenen Gang vernimmt, ist volle Aufmerksamkeit geboten: Ab sofort sollte der volle Fokus auf das behutsame Gehen im Gelände gerichtet sein. Vor allem beim Absteigen ist hier Vorsicht geboten.

Tipp: Lieber einmal zu viel rasten und zur Stärke zurückfinden, als einmal zu wenig und einen unbedachten Schritt machen. Das gilt für einen selbst, wie für seine Begleiter!

Unsicherheit durch Herz-Kreislauf-Probleme?

Auch Herz-Kreislauf-Probleme beim Aufstieg gehören zu jenen wesentlichen Faktoren, die die Bergrettung zum Ausrücken zwingt. Gerade während großer Hitzeperioden ist das Mitbringen von genügend Wasservorräten unabdingbar. Überanstrengung führt oft zu Schwindelanfällen oder Schweisausbrüchen, die bei anfälligen, geschwächten oder altersschwachen Personen als Vorboten von Herz- & Kreislaufproblemen gewertet werden können. Der Wetter- und Temperaturverlauf trägt oft zum selben Effekt bei: Pralle Sonneneinstrahlung, gefolgt von kalten Windböen gepaart mit verschwitzter Bekleidung kann bei sensiblen Personen ebenso zu Problemen führen.

Tipp: Sobald akute Probleme dieser Art auftreten lautet das Gebot: Ausreichend trinken, Beine hoch, kühles Wasser über Puls und Hände fließen lassen. Kalt-warme Wechselbäder, regelmäßige Bewegung und der Verzicht oder die Einschränkung von Genussmitteln (wie ungesundes Essen, Zigaretten und Alkohol,…) verringern bekanntlich das Risiko von Herz-Kreislauf-Problemen – daher: Empfehlung.

War sonst noch was?

Selbst die hartgesottensten Bergsteiger/innen mit der besten Ausrüstung sind nicht vor Unfällen gefeit. Wir möchten allen Bergfexen in Erinnerung rufen – Bergsteigen ist ein Abenteuer, dass immer unvorhersehbare Parameter mit sich bringt. Unser Appell lautet daher stets neben Vorsicht auch Vorbereitung walten zu lassen und sich auf die Expertise von Profis im Notfall wie der Bergrettung zu verlassen.

Tipp: Für EUR 28,-/Jahr unterstützt man nicht nur das ehrenamtliche Engagment von 1.300 Bergretter/innen und deren Ausrüstung, sondern auch die eigene Sicherheit. Eine solche Fördermitgliedschaft bietet außerdem eine Bergekostenversicherung für Such-, Bergungs- und Rettungskosten bis zu 25.000 Euro. Jetzt förderndes Mitglied werden!

 

ORF Universum mit Hermann Maier & Bergrettung

ORF Universum mit Hermann Maier & Bergrettung

Meine Heimat – Die Sonnenberge Niederösterreichs ist der Titel einer Dokumentation über schneebedeckte Gipfel, dichte Wälder und ungezähmte Gewässer unweit der Bundeshauptstadt, wo sich eine eindrucksvolle Wildnis erhalten hat. Die Region rund um Hohe Wand, Schneeberg und Ötscher war Schauplatz der Erkundungstour von Ski-Legende Hermann Maier. In „Meine Heimat – Die Sonnenberge Niederösterreichs“ begab er sich auf Spurensuche und entdeckt seltene Tierarten, wie etwa einen einsamen Wolf – dieser zählt quasi zu den Vorfahren der Bergrettungs-Lawinenhunde. Hermann Maier erfuhr, dass nicht in seiner Heimat oder in Tirol die Wiege des alpinen Skilaufs und des Bergrettungsdienstes liegt, sondern in Niederösterreich. In einem Beitrag wurden die Arbeit und das Können der Lawinensuchhunde der Bergrettung NÖ/Wien eindrucksvoll dargestellt. Neben einzigartigen Aufnahmen zeigte diese Universum-Folge, dass die Sonnenberge Niederösterreichs, trotz der Nähe zu Wien und der zahllosen Besuchern, einzigartige Naturparadiese geblieben sind.

Im Juni wurde „MEINE HEIMAT – DIE SONNENBERGE NIEDERÖSTERREICH“ auf ORF 2 erstausgestrahlt und ist mittlerweile auf Youtube abrufbar. Wir wünschen spannende Unterhaltung!

 

Die Notruf-App „Rettung 144“

Die Notruf-App „Rettung 144“

Am Markt tummeln sich zahlreiche Notfall-Apps. Die Funktionsweisen sind unterschiedlich. Während manche Apps tatsächlich Rettungskräfte alarmieren können, dienen andere lediglich als eine Art Ratgeber für Erste-Hilfe Maßnahmen. Andere wiederum setzen eine Internetverbindung voraus. Im alpinen Einsatz sind letztere nur bedingt tauglich. Auch wichtig ist die Übermittlung der aktuellen Standort-Koordinaten, damit die Helfer exakt wissen wo sich der Verletzte befindet.

Die Smartphone App „Rettung“ steht seit April 2018 zur Verfügung und ist der einfachste Weg die Rettungskräfte zu alarmieren. Gleichzeitig kann sie auch den Standort übermitteln bzw. anzeigen, was besonders im alpinen Gelände wichtig ist.
In der neuesten Version der App wurde ein eigener Button integriert um DIREKT die Bergrettung unter der Nummer 140 zu alarmieren! Die volle Funktionalität wird im gesamten österreichischen Bundesgebiet zur Verfügung gestellt.

Alarmierung auch ohne Sprechverbindung

Die Übermittlung des genauen Einsatzortes ist ein wichtiger Bestandteil eines raschen Einsatzes des Rettungsdienstes. Wenn der gelbe 140-Button bzw. der rote 144-Button drei Sekunden lang gedrückt wird, wird eine Sprechverbindung zur Notrufleitstelle hergestellt und zeitgleich werden die von dir vorab eingetragenen Daten übermittelt. Kommt kein Sprachanruf zustande, wird immer von einem Notfall ausgegangen und wichtige Basisinformationen via SMS an die Notrufleitstelle übermittelt.

Vor Beginn der Tour testen

Um die Funktionalität testen zu können kann man einen Testmodus aktivieren.

Damit kann die Funktionalität und die Verbindung getestet werden. Im Testmodus werden keine Alarme in der Leitstelle ausgelöst. Ein Tonband bestätigt die Erreichbarkeit der Notruf-Leitstelle in Niederösterreich.

Arztsuche oder Standort eines Defibrillators

Ein Benefit der App ist die Suche nach Gesundheitseinrichtungen in deiner Nähe. Kliniken, Ärzte, Zahnärzte sowie Apotheken und sogar österreichweit der näheste Standort eines öffentlich zugänglichen Defibrillators. Du findest hier die passenden Erreichbarkeiten, sowie die Navigation von deinem aktuellem Standort aus.

 

Downloadlinks zur App:
Google Play Store (Android)
iTunes App-Store (iPhone)

Lawinenunfälle: Wie leiste ich Erste Hilfe? (Video)

Lawinenunfälle: Wie leiste ich Erste Hilfe? (Video)

Bewusstlosigkeit, Atem- & Kreislaufstillstand, äußere Verletzungen – was tun mit einem Lawinenverschütteten, der diese oder ähnliche Symptome aufweist? Nach der Evolution digitaler 3-Antennen-LVS-Geräte, neuen Schaufeltechniken sowie ständig verbesserter Mobilnetzabdeckung wird eine Bergung von Lawinenopfern immer wahrscheinlicher.  Dr. Alexander Egger, Bundesarzt der Österreichischen Bergrettung, zeigt Euch, wie Ihr die richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen setzt, bis professionelle Rettungskräfte eintreffen.

Wintersaison ist Lawinensaison

Wintersaison ist Lawinensaison

Für einen guten Einstieg in die Tourensaison veranstaltet der Alpenverein auch in der Saison 2018/19 die Vortragsreihe „Lawinen Update“.
Da für die Bergrettung die Unfallprävention ein wichtiges Anliegen ist wird diese Veranstaltung von uns unterstützt. 3x macht diese Veranstaltungsreihe noch Halt in Niederösterreich bzw. Wien und bietet allen, die im Winter am Berg unterwegs sind, einen spannenden Vortragsabend und ermuntert sie, ihr Lawinenwissen auf den neuesten Stand zu bringen. Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei.

Wie bereitet man sich auf Touren abseits der Skipisten vor, welche Ausrüstung gehört in den Rucksack, was muss man bei der Tourenplanung beachten und welche Faktoren unterstützen die Entscheidungen vor Ort? In zwei spannenden Stunden beleuchtet der Lawinenexperte Michael Larcher ausgewählte Lawinenereignisse, hilft den Blick für die Gefahrenmuster im Schnee zu schärfen und vermittelt jede Menge Praxiswissen für Tourengeher.

Bei der Veranstaltung in St. Pölten am 15.01.2019 hilft die ansässige Ortsstelle bei der Abwicklung tatkräftig mit und freut sich auf euren Besuch.

Mehr im Web:
Lawinen-Update