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Wissenswertes zum Lawinenlagebericht

20. Dez 2022 | Tipp

Bei einer Schitour, einer Bergtour im Winter aber auch für Schneeschuhgeher*innen ist es unerlässlich, sich neben der vollständigen Sicherheitsausrüstung, LVS-Gerät, Schaufel und Sonde auch mit dem Lawinenlagebericht auseinander zu setzen. Der Bericht hilft bei der Tourenplanung und ist eine allgemeine Einschätzung, ob die Tour in der ausgewiesenen Region vertretbar ist, auf welche Gefahrenzeichen geachtet werden muss und wo welche Gefahrenstellen liegen.

Nach einer Statistik des Lawinenwarndienstes verweilt ein Besucher ca. 20 Sekunden auf der Website – um eine faktenbasierende Entscheidung zu treffen ist das sicher viel zu kurz. Damit wir das Risiko realistisch einschätzen können bedarf es sicherlich mehr Aufmerksamkeit und Zeit.

Der routinierte Winterbergsteiger beschäftigt sich am Vorabend mit der allgemeinen Tourenplanung. Der Lagebericht ist täglich ab 18:00 Uhr für den nächsten Tag sowie eine Tendenz für die folgenden Tage erhältlich.

HIER finden Sie den aktuellen Bericht für Niederösterreich.

Die fünf Gefahrenstufen

Der Lagebericht besteht aus einer Gefahrenskala, die in fünf Stufen eingeteilt ist. Jede Gefahrenstufe hat ganz eindeutige charakterliche Eigenschaften und Merkmale, die die jeweilige Gefahrenstufe auch erkennbar machen, wobei bei Stufe 5 „sehr groß“ generell von Touren außerhalb des gesicherten Pistenbereiches abgeraten wird.

Eine genaue Erklärung der fünf Stufen der Europäischen Lawinengefahrenskala finden Sie HIER. 

Die Gefahrenstufe kann in verschiedenen Höhen und Expositionen unterschiedlich sein und sich auch im Laufe des Tages („Tagesgang von Lawinen“) verändern – speziell im Frühjahr muss darauf vermehrt geachtet werden. Im Laufe der gesamten Wintersaison haben diese Gefahrenstufen eine unterschiedliche Verteilung. Den größten Anteil machen dabei die Stufen 1 und 2 aus, gefolgt von Stufe 3, welche ungefähr 30% des Winters vorherrscht. Die Stufen 4 und 5 sind meist nur von kurzer Dauer. Bei Stufe 3 herrschen meist die besten Verhältnisse zum Schifahren, deshalb werden hier leider auch die meisten Unfälle registriert. Da wir sehr durch unser österreichisches Schulnotensystem geprägt sind, ist hier mehr als nur Vorsicht geboten, da wir bei Stufe 3 bereits von einer „erheblichen“ Gefahr sprechen. Die gefährliche Eigenschaft dieser Gefahrenstufe besteht darin, dass die Gefahrenstellen oft nur schwierig erkennbar sind, da diese in der Schneedecke liegen und das Erkennen große Erfahrung verlangt.

„Lawinenprobleme“

Der Lagebericht gibt außerdem Auskunft über das vorherrschende Lawinenproblem. Hier unterscheiden wir zwischen den fünf Hauptproblemen Triebschnee, Neuschnee, Altschnee, Nassschnee und Gleitschnee sowie die Anführung einer allgemein günstigen Situation. Das Erkennen des jeweiligen Problems ist teilweise nur vor Ort möglich und benötigt mitunter viel Erfahrung und ein „gutes Auge“.

Ein weiterer Punkt des Lawinenlageberichts zeigt auf, wo das aktuelle Lawinenproblem besonders stark ausgeprägt ist. Man spricht von der Exposition (Hangrichtung), wobei hier zwischen gefährdeten und begünstigten Hangrichtungen unterschieden wird. Zusätzlich wir auch aufgeführt, wie es zu Auslösung kommen kann – man spricht hier von der sogenannten Zusatzbelastung: Genügt ein einzelner Schifahrer oder bedarf es einer größeren Zusatzbelastung (ganze Gruppe), damit es zur Auslösung kommen kann?

Im Lawinenlagebericht kann man außerdem herauslesen, warum des Lawinenproblem überhaupt besteht. Ein Beispiel dafür wäre eine Schwachschicht innerhalb der Schneedecke, welche durch eine geringe Zusatzbelastung den Triebschnee, welcher auf der Schwachstelle abgelagert ist, zum Abgleiten – sprich: Auslösen – bringen kann.

In ganz Europa sind derzeit alle Lageberichte inhaltlich gleich aufgebaut und behandeln folgende Fragen:

  • WAS ist das Problem?
  • WO liegt das Problem?
  • WIE kommt es zur Auslösung?
  • WARUM besteht das Problem?

Die Qualität der Lagebericht kann jedoch unterschiedlich sein. Beispielsweise herrscht in den westlichen Bundesländern sowie in den westlichen Alpenstaaten eine höhere regionale Dichte an Messstationen, wodurch auch die Messergebnisse „dichter“ werden.

Vorsicht

Der Lawinenlagebericht basiert auf Modellberechnungen, bei denen aufgrund einer gewissen Wetterlage/Temperatur/Niederschlag sowie Geländevoraussetzungen eine Gefahrenstufe und deren Probleme dargestellt werden. Dass diese Gefahrenlage punktuell regional aber auch eine Stufe höher oder geringer sein kann ist der Tatsache geschuldet, dass dieser Lagebericht für ein relativ großes Gebiet erstellt wird und somit teilweise regionale Unterschiede nicht berücksichtigt werden können. Eine gute, fundierte Ausbildung sowie ein großer Erfahrungsschatz erleichtern dies zu beurteilen. Anfänger oder Neulinge sollten sich daher bei der späteren Auswahl ihres Tourenzieles aufgrund des Lawinenlageberichts eher defensiv erhalten.

Wichtig zu beachten ist, dass der Lawinenlagebericht bei der Planung nur ein Hilfsmittel zur allgemeinen Beurteilung ist und über mögliche Gefahren Auskunft gibt. Aus dem Bericht darf somit keinesfalls eine 100%ige Verlässlichkeit über die Prognose abgeleitet werden!

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