Regierung, Notruf und Bergrettung „in ständiger Abstimmung“

Regierung, Notruf und Bergrettung „in ständiger Abstimmung“

Landesrat Eichtinger, Notruf NÖ Chef Chwojka und Bergrettung Landesleiter Cernusca bei der Abstimmung: Gemeinsame Versorgung bei Notfällen am Berg bedeuten bis zu zwanzig Alarmierungen pro Woche. Eichtinger: Heuer bereits über 50 Bergrettungseinsätze im Juni und 22 im Juli fordern die Einsatzkräfte. Die Zusammenarbeit aller beteiligten Partner funktioniert.

Die Bewegung und Betätigung im Freien und in unseren schönen Bergen ist ein optimaler Ausgleich für die derzeit fordernde Zeit für uns alle. „Aber es gibt auch Risiken die, wenn sie unterschätzt werden, zu einem tragischen Ende einer Wanderung, Mountainbike- oder Klettertour führen können. In diesen Fällen stehen mehr als 1.300 Mitglieder der Bergrettung bereit zu helfen.“ so NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Martin Eichtinger. Der Alpinnotruf 140 wird von speziell geschulten Expertinnen und Experten vom Notruf NÖ entgegengenommen, die daraus resultierende Alarmierung der 30 Bergrettungs-Ortsstellen in NÖ erfolgt danach rasch, über moderne Kommunikationsmittel. „Die gute Zusammenarbeit zwischen Notruf NÖ und der Bergrettung bestätigt sich bei jedem Einsatz“, so Eichtinger.

Eine der größten Herausforderungen bei einem Notruf aus alpinem Gelände ist die korrekte Definition des Notfallorts. Notruf NÖ setzt hier alle verfügbaren technischen Hilfsmitteln ein, um die Anrufer bestmöglich unterstützen zu können. „Die meisten Smartphones übermitteln uns schon beim Wählen des Notrufs 140 den Standort, eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung der österreichweiten Notruf App ‚Rettung‘, welche zusätzliche Funktionen für alpine Notlagen enthält und diese Daten in einem Notfall direkt an die Notrufleitstelle übermittelt. Das beschleunigt den Einsatz um ein Vielfaches,“ erklärt Notruf NÖ Geschäftsführer Christof Constantin Chwojka. „Natürlich können wir aber auch mit zumindest der Angabe der GPS Koordinaten den Einsatzort sehr genau definieren.“ so Chwojka.

Einsatzzahlen in Zeiten von Covid-19

427 mal war die Bergrettung im heurigen Jahr im Einsatz. Nach den coronabedingten Einschränkungen, verliefen zwar der März und der April relativ ruhig, es waren jedoch auch in diesem Zeitraum 38 Einsätze zu verzeichnen. Neben Skipisteneinsätzen sind es vor allem Stürze auf Wanderwegen oder Steigen, aber auch das Wetter, das ein Eingreifen der Bergrettung NÖ/W erforderlich machte. „Immer häufiger werden die Gefahren in den Bergen unterschätzt oder das eigene Vermögen überschätzt. Auch beim Bergwetter wurde sich in den letzten Monaten immer wieder verkalkuliert. Die Folge: Auch bei Schlechtwetter rückt die Bergrettung immer öfter aus,“ Landesleiter der Bergrettung NÖ/W Matthias Cernusca.

Die Bergrettung rechnet in näherer Zukunft mit einem erheblichen Anstieg an Einsätzen. Grund dafür sind die wieder in Mode gekommene Sommerfrische und die vermehrten Heimaturlaube aufgrund von Covid-19. „Im heurigen Jahr stieg die Anzahl der Unverletztenrettungen im Vergleich zum Vorjahr – um fast zehn Prozent – auf rund ein Drittel aller Einsätze,“ Landesleiter der Bergrettung NÖ/W Matthias Cernusca.
„Wenn ich seit längerem wieder eine Tour in den Bergen plane, bedeutet das, dass ich mir wieder mehr Gedanken über meine Vorbereitung machen muss: Bin ich bereit für die Länge der Tour, über die Wetterlage informiert und für das Gelände entsprechend trainiert und ausgerüstet,“ so Cernusca.

Fotos: © ÖBRD
Verantwortungsvoll am Berg

Verantwortungsvoll am Berg

Nachdem Lockerungen im Zusammenhang mit COVID-19 Maßnahmen für das öffentliche Leben und den Sport in Kraft treten, geht auch der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) von seinen bisherigen Appellen ab und setzt auf die Eigenverantwortung der Bergsportler und Bergbegeisterten.

In Zusammenarbeit mit allen Landesorganisationen hat der Österreichische Bergrettungsdienst Empfehlungen für drei Bereiche ausgearbeitet. Erstens soll bei der Tourenplanung auf die längere Aktivitätenpause Bedacht genommen werden und alpine Unternehmungen eher moderat und nicht an der Leistungsgrenze angelegt werden. Zum Zweiten gelten auch am Berg die gleichen Hygiene- und Abstandsregeln wie im gesamten Breitensport. Je höher die Atemfrequenz und die Windgeschwindigkeit, desto größer der Abstand zueinander. Und drittens wird empfohlen, nur bei vollständiger Gesundheit Outdooraktivitäten zu unternehmen.

Verantwortungsvoll am Berg 1

 Einsätze reduziert aber existent / bundesweite Koordinierungsgruppe

Nachdem die Sonderlage gesamt Österreich betraf, standen und stehen alle Bergretterinnen und Bergretter und insbesondere Einsatzleiter und Landesorganisationen vor völlig neuen Herausforderungen. Die Einsatzzahlen sind zwar zurückgegangen, der Schutz jedes einzelnen Bergretters und optimale Versorgung der Verunfallten ist aber bei jedem einzelnen Einsatz das oberste Gebot.

So waren österreichweit neue Strategien und Taktiken im Umgang mit dem Corona Virus zu entwickeln, schulen und bei Einsätzen in Anwendung zu bringen. Eine eigens eingerichtete „bundesweite COVID 19 Koordinierungsgruppe“ mit Experten aus allen Landesorganisationen hat hier, unter Zuhilfenahme von online Kommunikationsmethoden, gemeinsam Themen abgearbeitet und zahlreiche Handlungsempfehlungen in den Bereichen Medizin und Einsatztaktik für die einzelnen Landesorganisationen erstellt.

Eine erste Analyse der letzten Wochen Zeit, dass alle 7 Landesorganisationen – in Relation zur Größe – mit einem sehr ähnlichen Einsatzaufkommen konfrontiert sind.

SKKM (Staatliches Krisen- und Katastrophenschutzmanagement) und ÖBRD

Der Österreichische Bergrettungsdienst ist Teil der SKKM Gruppe und als kritische Infrastruktur eingestuft. So gab es in den letzten Wochen neben dem internen Austausch auch eine rege Kommunikation mit den zuständigen Ministerien um die Sonderlage gesamtheitlich betrachten und beurteilen zu können. Eine besondere Sorgfalt ist nun auch im Monitoring der Auswirkungen der aktuellen Lockerungen an den Tag zu legen. Daher ist die bundesweite COVID 19 Koordinierungsgruppe auch weiterhin eingesetzt, wenn auch im reduzierten Modus.

Wir wünschen unfallfreie Bergerlebnisse!

Bergrettungs-Appell: Regierungsaufruf ist Folge zu leisten

Bergrettungs-Appell: Regierungsaufruf ist Folge zu leisten

  • Kein vermeidbares Zusatzrisiko durch Bergtouren
  • Landesführungsstab zur aktuellen Coronakrise gebildet

Sonntag, 15. März 2020

Bergrettung NÖ/W appelliert: Ausgangsbeschränkungen der Bundesregierung ist Folge zu leisten. Bergtouren stellen ein vermeidbares Zusatzrisiko für Bergsportbegeisterte als auch für Rettungskräfte dar, die in dieser Situation anderwärtig benötigt werden. Darüber hinaus ist mit vorhandenen Ressourcen sorgsam zu haushalten. 

Im Sinne des Eigenschutzes ersuchen auch wir Sie die Verhaltensregeln anzuwenden und so einen persönlichen Beitrag zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung des Virus zu leisten. Dadurch werden auch Unfälle sowie Einsätze und Risiken für Bergretterinnen und Bergretter bestmöglich reduziert.

Mit Freitag 13.3.2020 hat die Bergrettung Niederösterreich/Wien einen Landesführungsstab zur aktuellen Coronakrise einberufen. Aufgaben sind die Koordinierung und Mithilfe bei der Maßnahmensetzung zur Bekämpfung des Corona Virus. Das bedeutetet zunächst die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit der Bergrettung nach innen und damit verbundene Maßnahmen zur Minimierung des Ansteckungsrisikos zum Schutz unserer Bergretter/innen bei dieser besonderen Lage. Weiters steht die Bergrettung für Kooperation mit Partnerorganisationen und Behörden bereit. Die Leitung des Stabes obliegt dem Landeseinsatzleiter der Bergrettung Niederösterreich/Wien Martin Gurdet.

Fotos: © ÖBRD
Winterkurs: 35 neue BergretterInnen für NÖ/W

Winterkurs: 35 neue BergretterInnen für NÖ/W

Von Oliver Himmel oliver.himmel@bergrettung-nw.at

Es ist Samstag 7. März 2020 recht zeitig in der Früh. Die Landesorganisation NÖ/W begrüßt knapp 50 Bergretterinnen und Bergretter im Turnsaal der Gemeinde Mitterbach an der niederösterreichisch-steirischen Grenze. Grund sind der gerade zu Ende gehende Winterkurs sowie der Gruppeneinsatzleiter Kurs.

„Die Aufregung ist da, jetzt erfahren wir gleich, ob wir die Ausbildung bestanden haben“, sagt eine der Teilnehmer/innen Sarah Ehmann, von der Ortsstelle St. Aegyd. Von allen Teilnehmer/innen absolvierten fünf den Gruppeneinsatzleiter Kurs, die restlichen nahmen am Basis-Grundkurs Winter teil. Die Ziele sind klar: Hier soll die rettungs- und alpintechnische Elite der Länder Niederösterreich und Wien gebildet werden, darauf haben alle Teilnehmer/innen – wie auch Sarah, die wir hier näher vorstellen wollen – nun mindestens zwei Jahre hingearbeitet.

Hohes Niveau & Voraussetzungen

„Bei uns werden Expertinnen und Experten ausgebildet,“ freut sich Landesleiter Matthias Cernusca in seinen Eröffnungsworten. Damit die Ausbildung auf gewohnt hohem Niveau durchgeführt werden kann, standen 15 Lehrwarte und ein zusätzliches Administrationsteam für diese Ausbildung zur Verfügung – alle ehrenamtlich. „Das machen den Betrieb und die Ausbildung der jungen Bergretterinnen und Bergretter auf diesem hohen Niveau erst möglich“, so Landesausbildungsleiter Hannes Kurz. Der Winterkurs dauert immer sieben Tage und ist das Ausbildungsfinale der Grundausbildung der Bergrettung NÖ/W; ihm gehen Aufnahmeprüfungen, ein rund viertätiger Sommerkurs sowie eine in Summe 32-stündige Sanitäts- und Erste Hilfe Ausbildung voraus. Ergänzt werden diese von zahlreichen Aus- und Weiterbildungen in den Ortsstellen (kurz OS).

„Wichtig ist aber auch, dass wir keine grundsätzlichen Fähigkeiten, wie das Skifahren oder das Klettern lehren – diese müssen schon von unseren Anwärterinnen und Anwärtern mitgebracht werden“, erläutert Hannes Kurz am Fuße der mitterbacher Gemeindealpe. Im Rahmen des Winterkurses werden neben theoretischen Vorträgen vor allem praxisnahe Kompetenzen geschult und geprüft. Dazu gehören Skifahren in allen Lagen, Bewegen im alpinen Gelände (auch mit Tourenskiern und Steigeisen), Seiltechnik (Flaschenzüge, Seilgelände usw.), Orientierung, Akja-Handhabung, Lawinensuche, Lawinenkunde & Topographie, Ersthilfe & Sanitätswesen, Patientenbeurteilung, Funken, Einsatzleitung sowie konditionelle Anforderungen (500 Höhenmeter pro Stunde).

Frauenanteil steigt

„Besonders freut es uns, dass bei der Bergrettung NÖ/W der Frauenanteil seit geraumer Zeit stark ansteigt“, sagt Landesleiter Matthias Cernusca. „Das war erstens nicht immer so und ist zweitens auch in den Bundesländern anders, wo es zum Teil wesentlich weniger Bergretterinnen gibt. Aber Ihr Frauen bringt vielschichtige Kompetenzen mit, auf die wir in der Bergrettung nicht verzichten können.“
Sarah ist eine dieser Anwärterinnen. „Interesse an der Bergrettung hatte ich schon lange – ausschlaggebend zum Beitritt war ein Verkehrsunfall, zu welchem ich gemeinsam mit meinem Bruder als Ersthelferin gestoßen bin.“ Dieser Vorfall hat der jungen alpinerfahrenen Niederösterreicherin gezeigt, wie wichtig es ist, im richtigen Moment helfen zu können.

Da sie sowohl im Sommer als auch im Winter viel auf den Bergen unterwegs ist, ist es für sie auch essentiell Freunden und Kameraden helfen zu können. „Auch ich kann jederzeit in solch eine Situation kommen, dann bin ich auch froh wenn mir jemand helfen kann und will,“ sagt sie in Erwartung der Verkündung des Kursergebnisses. Einhellig wird am Winterkurs bestätigt, dass die Kameradschaftlichkeit bei der Bergrettung, sowohl in der Ortstelle als auch auf den Kursen als besonders stark empfunden wird. Auch privat werden viele Erfahrungen geteilt und Touren gemacht.

Politprominenz & Medien in Mitterbach

Eine große Ehre waren uns auch die Besuche der Landesrätin für Soziale Verwaltung, Gesundheit und Gleichstellung
Ulrike Königsberger-Ludwig und des Landesrates für Finanzen und Mobilität DI Ludwig Schleritzko. Beide haben sich die Mühe gemacht und sind ins schöne Mitterbach gekommen. Natürlich waren auch Neo-Bürgermeister Thomas Teubenbacher und Alt-Bürgermeister Alfred Hinterecker zugegen und haben die jungen Bergretter/innen angefeuert. Sichtlich beeindruckt vom regen Kursbetrieb und dem reibungslosen Ablauf, nahmen sich alle ausreichend Zeit, um mit Landesleitung und Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Kontakt zu kommen.
Auch NÖN Chronikchefin Eva Hinterer und Puls4 Redakteurin Dani Löffelberger mit ihrer Kamerafrau Selma Taskin durften wir in Mitterbach begrüßen. Ein herzliches Danke für die ausführliche Berichterstattung.

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Die Ergebnisverkündung

Der große Moment der Ergebnisverkündung ist gekommen. „Wir freuen uns, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Kurs erfolgreich absolviert haben und fortan für unsere Sicherheit in den Bergen Niederösterreichs sorgen werden“, freut sich Landesleiter Matthias Cernusca. Sarah und ihren Kolleg/innen ist die Freude ins Gesicht geschrieben. „Es hat sich mehr als gelohnt und ich freue mich auf alle weiteren Herausforderungen und Weiterbildungen bei der Bergrettung NÖ/W“, sagt sie mit der Broche und der Bergrettungsurkunde in der Hand.

Die Bergrettung NÖ/W möchte alle Interessenten ermuntern, es unseren Teilnehmer/innen gleich zu tun und sich erfolgreich der Bergrettungs-Ausbildung zu stellen. Hier werden nicht nur gesellschaftliches Engagement großgeschrieben, sondern auch eine breite Palette an „für Anwärter/innen und Bergretter/innen kostenfreien“ Fortbildungen angeboten. Besonders schön ist auch zu sehen, dass hier Freundschaften für’s Leben geschlossen werden.
Die Landesleitung möchte sich noch einmal herzlich bei allen Ausbildnern, Adminsitratoren, den Teilnehmer/innen unseren Gästen aus Politik und Medien sowie der Ortsstelle Mitterbach bedanken, die einmal mehr für den tollen Kursablauf verantwortlich waren.

Zur Person
Sarah Ehmann ist 23 Jahre jung und studiert im Master Umweltpädagogik. Sie arbeitet im Naturpark Ötscher-Tormäuer und geht gerne wandern, reiten, treibt Wintersport und ist der Musik verbunden. Neben der Bergrettung ist sie in der heimische Musikkapelle sowie bei den Naturfreunden engagiert.

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Fotos: © ÖBRD
Sturm- & Wetterwarnung auch für NÖ

Sturm- & Wetterwarnung auch für NÖ

Das Wichtigste zusammengefasst und in Kürze: Das Orkantief Sabine bewegt sich im Laufe des Montagvormittags auch nach Österreich und wird laut ORF Wetter und ZAMG spätestens zu Mittag auch Niederösterreich erreichen.

Das bedeutet Windböhen bis zu 100 km/h, teils auch mehr. Die Schneefallgrenze sinkt Montagabend auf 800m bis 1000m Seehöhe. Regenschauer sowie Graupelgewitter sind möglich.

Auch der Lawinenwarndienst Niederösterreich  hat aufgrund des prognostizierten Triebschnees eine erhöhte Lawinengefahr ausgegeben – mit steigender Tendenz am Dienstag. Dazu gesellen sich ein Mix aus Neuschnee, Sturm und schlechter Sicht! Besonders betroffen werden davon die Türnitzer und Ybbstaler Alpen sein.

Orkane werden Winde mit Geschwindigkeiten von mindestens 64 Knoten (117,7 km/h = 32,7 m/s) bezeichnet. Auf der Beaufortskala werden Orkane mit der Stärke 12 klassifiziert. (Wikipedia).

Fotos: © ÖBRD
30. Jänner – #TagDerZivilcourage

30. Jänner – #TagDerZivilcourage

Von Hubert Köttritsch hubert.koettritsch@bergrettung-nw.at

t͜siˈviːlkuraːʒə, sprich: Zivilcourage. Eine gängige Definition für Zivilcourage lautet: Mut, den jemand beweist, indem er humane und demokratische Werte (z. B. Menschenwürde, Gerechtigkeit) ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen in der Öffentlichkeit, gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten o. Ä. vertritt.

Und was soll dies mit der Bergrettung zu tun haben?

„Allen, ohne Ansehen der Art oder des Verschuldens der Notlage, abseits des öffentlichen Straßennetzes im unwegsamen, insbesondere im alpinen Gelände Verunglückten, Vermissten, Erkrankten oder sonst in Not Geratenen zu helfen, sie zu suchen, zu versorgen, zu bergen und abzutransportieren“ ist ja der Hauptzweck der Bergrettung (§2 der Satzungen).

Bergretter/innen gelten als Altruisten, gute Kameraden, mutige und tapfere Menschen.

Manche sagen „hinzuschauen“ und nicht wegzuschauen, das sei Zivilcourage. Nach einem bekannten Politikwissenschafter Gerd Meyer von der Eberhard Karls Universität Tübingen wird Zivilcourage vereinfacht mit Hilfe gleichgesetzt. Hilfe ist zwar meist mit Zivilcourage verbunden, aber nicht notwendig umgekehrt. Als offizielle Rettungsorganisation ist es natürlich im Verantwortungsbereich jedes und jeder Bergretter/in in Not geratenen Menschen Hilfe zu leisten und gleichzeitig Zivilcourage zu beweisen. Denn zum Unterschied zu Einsatzorganisationen Polizei, Feuerwehr und Rettung agieren wir gänzlich ehrenamtlich.

Vier zentrale Merkmale definieren den Handlungs- und Wirkungsumfang der Bergrettung, die zugleich in der Begriffsdefinition von der „Zivilcourage“ gleichermaßen wie bei „Hilfe“,  „Altruismus“ oder „Solidarität“ sowie „Mut“ oder „Tapferkeit“:

  1. Es gibt einen Konflikt zwischen denen, die Werte und Normen verletzen, und denen, die sich für ihre Bewahrung einsetzen.

Ja, Bergretter sind konfrontiert mit: Pistentourengehern, Tourengehern bei akuter Lawinengefahr und oder Nacht, Bergsteigern die bei jedem Wetter unterwegs sind…

  1. Es gibt häufig nicht bestimmbare Risiken, das heißt, der Erfolg zivilcouragierten Handelns ist häufig unsicher, und der Handelnde ist bereit, Nachteile in Kauf zu nehmen.

Ja, Risikomanagement ist ein zentrales Thema jedes Bergrettungseinsatzes. Der Eigenschutz der Bergretter muss gewahrt bleiben, d.h. bei Gewitter, Sturm, akuter Lawinengefahr kann nicht immer sofort geholfen werden, dennoch wird versucht das Menschenmögliche zu tun, da auf Grund von Ausbildung, Ausrüstung, Erfahrung, Erkenntnissen und Teamarbeit unsere Grenzen anders gesetzt werden können.

  1. Zivilcouragiertes Handeln ist öffentlich, d. h. in der Regel sind mehr als zwei Personen anwesend.

Ja, wir sind etwa 1350 Bergretterinnen und Bergretter in NÖ/Wien.

  1. Es gibt ein reales oder subjektiv wahrgenommenes Machtungleichgewicht zuungunsten dessen, der mutig handeln will.

Jein, BergretterInnen sind nicht wirklich machtlos, auch wenn die Interessen der Touristiker und die Vertreter der modernen Freizeit-Spaßgesellschaft übermächtig erscheinen, die Naturgesetze gelten für alle gleich.

Der 31. Jänner ist zum #TagDerZivilcourage erwählt worden. Wenn Sie glauben wir verdienen ein DANKE, freuen wir uns über Ihre Unterstützung in Form der Rettungs- & Bergekostenversicherung, die nicht nur ihr Leben retten kann, sondern auch das couragierte Wirken unserer Einsatzorganisation unterstütz.

Hubert Köttritsch (Jg. 1949) ist seit 1981 Bergretter mit Leib und Seele und engagiert in der Öffentlichkeitsarbeit in der Ortsstelle Amstetten, NÖ West und Land NÖ/W. Der gelernte Maschinenbauer und selbstständige Konsulent für Engineering Training Consulting ist verheiratet, hat drei Kinder und fünf Enkelkinder.

Fotos: © ÖBRD