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Winterkurs 2024: Eine Teilnehmerin erzählt

3. Mrz 2024 | Allgemein, Übung

In der letzten Februarwoche war es wieder so weit und der alljährliche Winterkurs stand als Abschluss der Ausbildung für die angehenden Bergretterinnen und Bergretter am Programm.

Auch wenn man es sich in den Tälern in Niederösterreich kaum vorstellen kann, in Mitterbach am Erlaufsee herrschten über 1300m Seehöhe doch noch winterliche Bedingungen und es gab noch ausreichend Schnee, um alle wesentlichen winterlichen Kursinhalte optimal üben zu können.

Aber mehr dazu erzählt uns eine Teilnehmerin, und somit seit Anfang März aktive Bergretterin, selbst:

Sonntagfrüh, 7:30: Die Kursanmeldung und anschließend Kurseröffnung findet statt.

Ich staune nicht schlecht. Ganz Mitterbach ist rot-schwarz! 60 Bergretter:innen nehmen am Winterkurs teil und dazu kommen auch noch viele Lehrwarte.
Bei der Kurseröffnung erfahren wir alle wichtigen organisatorischen Punkte und die Gruppeneinteilung findet statt. Danach packen wir auch gleich unsere Ausrüstung zusammen und starten mit dem ersten Programmpunkt des Tages:

Aufstieg mit Skitourenausrüstung zum Gipfel der Gemeindealm

Das hört sich im ersten Moment nicht so spannend an, ist aber für unsere Lehrwarte sehr wichtig. Sie bekommen einen ersten Eindruck von uns, sehen sich unsere Aufstiegstechnik und den Umgang mit dem Material an und es ist nebenbei auch noch Zeit zum Plaudern und sich kennenlernen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen starten wir dann auch schon mit dem nächsten Thema: Akja fahren
Der Akja wird uns den gesamten Kurs begleiten und ist ein wesentlicher Inhalt im Schulungsprogramm. Er wird von uns zusammengebaut, mit einem Seil eingefasst und viele Male mit dem Sessel- und Schlepplift hinauf und den Skiern bergab mitgenommen. Er ist quasi unser 8. Gruppenmitglied.
Anfangs ist er noch leer beziehungsweise nur mit unseren Rucksäcken befüllt, jedoch bekommen wir rasch immer mehr Routine beim Fahren und bald liegt auch schon die erste Person darin.
In unzähligen Szenarien üben wir die Patientenversorgung, das Einbringen in den Akja, das Fahren im unterschiedlichen Gelände und viele Techniken, um schwierige Passagen optimal und sicher zu überwinden. Man merkt immer mehr, wie die Handgriffe sitzen und aus der bunt zusammengewürfelten Gruppe ein Team entsteht.
Zusätzlich begleiten uns in der dieser Woche auch noch viele anderen Themen wie die Seiltechnik im winterlichen Gelände, Schneeverankerungen, provisorische Rechnungstechniken wie die Biwakschleife und natürlich der umfangreiche Punkt: Lawine!

Da wir alle schon langjährige Skitourengeher sind, ist die Kameradenrettung für uns natürlich kein Neuland mehr. Schnell stellen wir jedoch trotzdem fest, dass wir bei weitem noch nicht den Wissenshorizont erreicht haben. Wir bekommen viele Tipps von unseren Lehrwarten und dürfen uns am künstlich angelegten Lawinenfeld austoben.

Das ist auch wichtig für unseren Skitourentag. Ein fixer Programmpunkt für jede Gruppe am Winterkurs ist eine Skitour. Aufgrund der eher bescheidenen Schneelage entscheiden wir uns für eine etwas weitere Anreise und begeben uns in das relativ schneesichere Johnsbach im Gesäuse. Am Vortag erstellen wir eine umfangreiche Tourenplanung, studieren den Lawinenlagebericht und bereiten uns optimal vor.
Im Zuge unser Skitour auf den Leobner binden wir Themen wie Orientierung, Schneekunde, das Erkennen von Gefahrenstellen und die Anlage einer guten Aufstiegspur ein. Außerdem graben wir ein Schneeprofil und analysieren die Schneedecke. Die Schneeverhältnisse bei der Abfahrt sind besser als erwartet und bestätigen uns in der Tourenwahl.

Wieder heimgekehrt aus dem „Xeis“ bereiten wir uns für die große Lawinenübung am Donnerstag weiter vor. Bei dieser Übung trainieren alle Gruppen gemeinsam einen planmäßigen Lawineneinsatz.
Wir steigen mit dem benötigten Material auf und am Lawinenkegel angelangt findet die Kameradenrettung im Rahmen einer Schauübung statt. Wir dürfen unseren Lehrwarten bei der Suche mit dem LVS, dem Sondieren und auch dem Ausgraben des Verschütteten zusehen. Da noch weitere Personen vermisst werden, kommt als nächstes ein Lawinenhund zum Einsatz. Gespannt sehen wir alle zu wie Hündin Pepper das Opfer unter einer 1,5 Meter dicken Schneedecke erschnüffelt.
Dann sind wir an der Reihe und der planmäßige Lawineneinsatz startet. Bestens koordiniert von den angehenden Gruppenleitern, deren Kurs ebenfalls zeitgleich stattfindet, sondieren und schaufeln wir, was das Zeug hält.
So finden wir bereits nach kurzer Zeit zwei vergrabene Puppen und bekommen dementsprechend Lob für das großartig abgelaufene Übungsszenario.

Die Woche neigt sich dem Ende zu und das bedeutet, dass die Abschlussübung bevorsteht. Bei Tageslicht haben wir bereits alles geübt und gefestigt, deshalb gehen wir nun einen Schritt weiter und die Übung findet in der Nacht statt.

Kaum ist es finster, kommt auch schon die Alarmierung: „Gestürzte Person, Kopfverletzung“. Zum Glück bekommen wir GPS-Koordinaten, das erleichtert uns die Suche enorm.
Da es bei einer Kopfverletzung immer schnell gehen muss, wählen wir von Beginn an ein höheres Tempo und treffen auch sehr rasch bei unserem Patienten ein.
Peter ist gestürzt und hat eine Platzwunde auf dem Kopf erlitten. Bei einem kompletten Patientencheck können wir feststellen, dass er sonst keine weiteren Verletzungen davongetragen hat und sind erstmal erleichtert.
Wir packen ihn warm ein und mit reichlich Man- und Woman-Power tragen wir ihn einige Höhenmeter hinauf zu unserm Materialdepot. Von dort aus können wir bereits mit dem Abtransport, anfangs über eine Almfläche, dann über steileres Gelände und eine Forststraße, beginnen. Da wir in den letzten Tagen sehr viel geübt haben, geht uns der Abtransport leicht von der Hand und wir kennen uns in der Gruppe bereits gut genug, sodass jeder dort eingesetzt werden kann, wo seine Stärken liegen. Beim Übergabepunkt angekommen erhalten wir dann die freudige Nachricht, dass wir als erste Gruppe wieder retour sind, und dass, obwohl wir als vorletzte Gruppe gestartet sind. Das freut uns natürlich sehr und das Zusammenpacken findet mit einem Lächeln im Gesicht statt. Bei einem reichlichen Mitternachtsbuffet und kalten Getränken lassen wir den letzten Kursabend in einem Gasthof in Mitterbach ausklingen. Lange ausschlafen können wir jedoch nicht, denn am Samstagvormittag wird noch das ganze Material in die Fahrzeuge verladen, die Zimmer geräumt und dann findet auch schon der Kursabschluss statt.

Wir dürfen unsere Urkunden und Abzeichen in Empfang nehmen, machen noch schnell ein Abschlussfoto und treten müde, aber stolz und glücklich wieder die Heimreise an.

Ein großes Danke an alle Lehrwarte, die sich eine Woche lang Urlaub nehmen, damit sie uns bestens ausbilden können und alle anderen Mitwirkenden, die zu dem bestens organisierten Kurs beigetragen haben!

In meinem Bericht zu kurz gekommen, sind außerdem drei großartige Abendvorträge zu den Themen Wärmeerhalt von unserem Alpinmedizinreferat, Schnee/Lawine vom Lawinenwarndienst und dem planmäßigen Lawineneinsatz inkl. dem Verhalten bei einer Unterstützung durch den Hubschrauber. Vielen Dank auch dafür!

Fotos: © ÖBRD/OS Reichenau // Divers

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