Schulung Flugpolizei

Schulung Flugpolizei

Für die Einsatzleiter des Gebiets Mitte fand vorletzte Woche eine zweitätige Schulung mit der Flugpolizei statt.

Am Freitag fand ein Theorieblock statt, welcher u.a. die Geschichte der Flugpolizei in Österreich beinhaltete. Die Flugpolizei litt am Anfang unter den Einschränkungen der Nachkriegszeit, war aufgrund der Lawinen- und Hochwasserereignisse jedoch notwendig. Zu Beginn standen auch noch Flächenflugzeuge zur Verfügung, mit denen spektakuläre Hochgebirgsrettungen gelangen. Später wurden die Hubschrauber der Flugpolizei im Bereich der Flugrettung unter ihrem Rufnamen „Martin“ bekannt. Im Jahr 2001 wurde diese Aufgabe an die ÖAMTC Flugrettung übertragen.

Seit damals liegen die Aufgaben für die Polizei im Bereich Flugrettung in der Rettung von unverletzten Personen sowie in der Bergung von getöteten Personen aus dem alpinen Bereich. Darüber hinaus zählen natürlich auch eine Reihe an polizeilichen Aufgaben zum Tätigkeitsfeld der Flugpolizei. Neben den Standardhubschraubern gehören spezielle FLIR Maschinen zur Ausstattung der Flugpolizei. Mit ihrem speziellen Kamerasystem können die Maschinen bei der Suche nach abgängigen Personen eine hilfreiche Unterstützung sein, speziell auch in der Nacht.

Den Abschluss der Schulung in Wien bildeten eine Hubschrauber-Sicherheitseinweisung sowie eine Erklärung der Grundregeln beim Transport mit der EC 135.

Der Samstagmorgen startete mit einer kurzen Wiederholung der Sicherheitsschulung, um danach gleich praktisch unter laufenden Rotoren das Ein- und Aussteigen mit den Kommandos des Flightoperators zu üben. Im alpinen Gelände ist das vollständige Landen sehr selten möglich, deshalb wurden im nächsten Schritt die Handgriffe für das schwebende und angestützte Verfahren geübt. Ein kurzer Flug zum Eisenstein hinüber ermöglichte uns, auch diese Schritte im winterlichen Umfeld zu festigen.

Die korrekte Einweisung des Hubschraubers wurde jeweils von einem anderen Kameraden übernommen, um auch den Downwash erleben zu können. Der Anflug des Hubschraubers bis kurz vor die Nasenspitze zeugte schon von der Genauigkeit einer solchen Landung.

Sollte auch ein angestütztes bzw. schwebendes Landen nicht möglich sein, so bleibt nur mehr der Transport mittels Tau zum bzw. vom Notfallort. Hier stehen verschieden Taulängen zur Verfügung. Um einen besseren Eindruck zu bekommen wurde ein kurzer Flug mit einem sehr kurzen Tau (ca. 3 Meter Länge) unternommen und im Vergleich dazu auch ein Flug mit einem Tau mit 20 Metern Länge.

Zusammenfassend war dies eine sehr erfolgreiche und informative Schulung. Vieles hat man schon einmal in der Theorie gehört, aber das praktische Üben von manchmal scheinbar banalen Dingen, wie das Angurten oder das Anlegen des Headsets in einem Hubschrauber zeigte, wie wichtig hier eine gute Zusammenarbeit ist. Auch die Schritte vor und nach der Landung sind wichtige Aufgaben für einen sicheren und reibungslosen Einsatzablauf.

Mit diesem, jetzt auch praktischen Wissen, können die Einsatzleiter auch die anderen Kollegen besser auf die Einsätze mit dem Hubschrauber vorbereiten und auch für die Zukunft sind weitere Schulungen geplant. Diese Übung fand im April übrigens auch in den Gebieten Süd und West statt.

Herzlicher Dank gilt der Crew der Flugpolizei für die interessante Schulung, der Ortstelle Türnitz und unserem Gebietsausbildungsleiter für die Organisation, sowie Helirescue Austria für die Bilder.

Fotos: © Helirescue Austria

Informationskompetenz am Berg

Informationskompetenz am Berg

Der Trend, dass immer mehr Menschen die Berge für sich entdecken, die in ihrem Leben bisher nur geringe bis gar keine alpinistische Erfahrungen gesammelt haben, ist bereits seit mehreren Jahren zu beobachten. Die Pandemie, die uns nun bereits ein Jahr lang begleitet, scheint diese Tendenz – auch mangels vieler anderer Freizeitalternativen – noch verstärkt zu haben.

Gleichzeitig offenbart das Einsatzgeschehen – in diesem Fall geht es um das Rax-Schneeberg-Gebiet, das gerade für Neo-Bergsteigerinnen und Bergsteiger ein beliebtes Ausflugsziel darstellt – einen weiteren Trend: Hilfeleistungen für unverletzte Personen, die aufgrund mangelnder Orientierung, Erschöpfung oder Überforderung aufgrund des Schwierigkeitsgrades der gewählten Route einen Notruf absetzen, sind ebenfalls im Zunehmen begriffen. In den letzten zwei Jahren entfiel jeweils ein Drittel der Einsätze der Ortsstelle Reichenau an der Rax auf die Suche nach bzw. Bergung von Unverletzten.

Die meisten dieser Einsätze lassen sich im Wesentlichen auf eine mangelhafte Tourenplanung zurückführen, was zuweilen darin gipfelt, dass Personen spontan beschließen, einfach einem Wegweiser zu folgen, ohne über die Anforderung der gewählten Route Bescheid zu wissen oder auch querfeldein eine vermutete Abstiegsmöglichkeit ins Tal zu wählen, die dann nicht selten vor einem Felsabbruch endet.

Dennoch erscheint der Vorwurf, dass auf eine Tourenplanung generell verzichtet wird, in dieser Pauschalität nicht gerechtfertigt. Nicht immer geraten Menschen am Berg in prekäre Situationen, weil sie sich völlig unvorbereitet in ein Bergabenteuer stürzen. Das Internet und die Möglichkeiten digitaler Medien ganz allgemein machen es leicht, sich vorab wie vor Ort zu informieren, sei es über mögliche Routen inklusive Wegfindung mittels Apps, das aktuelle Wetter oder die Öffnungszeiten von Berghütten. Und diese Möglichkeiten werden durchaus genutzt.

Leider zeigt die Erfahrung auf Basis der Einsatzstatistiken, dass dies allerdings in vielen Fällen nicht ausreichend ist. Gerade am Berg geht es immer auch darum, Informationen zu bewerten und in einen Gesamtkontext zu stellen. Dass es beispielsweise nicht genügt, lediglich Routenverlauf und Schwierigkeitsgrad eines Klettersteiges zu recherchieren, zeigt sich alljährlich im Frühjahr am Alpenvereinssteig auf der Rax – so auch am heurigen Palmsonntag. Nach einem schneereichen Winter ist auf diesem nordwestseitig gelegenen Aufstieg mit dem Schwierigkeitsgrad B oft bis weit in den Mai hinein mit Schnee im oberen Bereich zu rechnen. Im Frühjahr kommt es regelmäßig zu Einsätzen, weil Personen auf den steilen, zum Teil pickelhart gefrorenen Schneefeldern nicht mehr vor und zurück können. An diesem Beispiel wird deutlich, dass etwa die Tatsache, dass sich die Verhältnisse am Berg und im Tal, auch in Abhängigkeit von der Jahreszeit, zum Teil beträchtlich unterscheiden können, bei jeglicher Tourenplanung selbstverständlich mitzudenken ist.

Speziell auf diesem Steig scheinen interessanterweise insbesondere Bergsteigerinnen und Bergsteiger aus dem Nachbarland Tschechien überzufällig häufig die Hilfe der Bergrettung zu benötigen. Eine mögliche Antwort lieferte die Bergung dreier Personen im Frühjahr 2019, die auf eine tschechische Internetseite verwiesen, wo der Alpenvereinssteig angeblich als der leichteste versicherte Klettersteig im Raxgebiet angepriesen wird, der auch mit Kindern zu begehen sei. Hier zeigt sich eine weitere Problematik: Informationen aus dem Internet sind zwar jederzeit und für alle zugänglich, unterscheiden sich jedoch zum Teil erheblich in Bezug auf Qualität und Vertrauenswürdigkeit. Obwohl natürlich nicht jedes Posting in der Facebook-Gruppe oder in diversen Foren pauschal als unseriös zu bewerten ist, ist es doch dringend zu empfehlen, diese Infos nicht als alleinige Ressourcen heranzuziehen, sondern sie zumindest mit verlässlichen Quellen wie etwa den Seiten der Alpinen Vereine zu validieren. Gerade für Personen mit wenig Bergerfahrung stellt nicht zuletzt eine differenzierte und detaillierte Tourenbeschreibung mit Verweis auf spezielle Gefahren und Herausforderungen als wichtiges Hilfsmittel dar, um zu entscheiden, ob man der Tour gewachsen sein wird oder nicht.

Das Stichwort „Hilfsmittel“ führt weiter zu den beliebten Apps, die gerne zur Wegfindung eingesetzt werden. Auch hier belegt die Einsatzstatistik, dass Informationskompetenz eine wichtige Voraussetzung am Berg darstellt. Das beginnt bereits mit der Wahl der richtigen App. Dabei hat sich auf der Rax bereits mehrfach gezeigt, dass Google Maps als Navigationshilfe mit Vorsicht zu genießen ist. So war bis vor kurzem auf Google Maps zwischen Talstation und Bergstation der Raxseilbahn ein mit dem Auto befahrbarer, in der Realität jedoch nichtexistierender Weg eingezeichnet, was in den letzten Jahren mehrere Einsätze aufgrund von Verirren (darunter einen mit einem wenige Wochen alten Säugling) zur Folge hatte. In einem anderen Fall waren zwei Frauen selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich bei einem in der (nicht näher bekannten) App eingezeichneten Weg um einen markierten Wanderweg handle. Sie mussten gemeinsam mit ihren Hunden von dem ungekennzeichneten, unbefestigten und zum Teil durch schrofiges Gelände führenden Steig ausgeflogen werden.

Was von Bergerfahrenen mitunter kopfschüttelnd als „normaler Hausverstand“ tituliert wird, gestaltet sich in Wahrheit gerade am Berg als durchaus komplexer Vorgang, bei dem eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen ist. Wer von Kindesbeinen an Lernerfahrungen am Berg gesammelt hat, ist hier ganz klar im Vorteil, da das implizite Wissen und der Erfahrungsschatz von Jahrzehnten stets als Referenz herangezogen werden können. Dies schließt auch konkrete Bewegungserfahrung mit ein – Trittsicherheit lässt sich nun einmal schwer aus dem Internet downloaden.

Informationskompetenz am Berg bedeutet nicht zuletzt auch, sich der eigenen Grenzen bewusst zu sein und die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen, also gleichsam auch über sich selbst umfassend informiert zu sein. Dies eröffnet vor allem auch die Möglichkeit, im Zweifelsfall rechtzeitig umzukehren, wenn man bemerkt, dass man den Herausforderungen, die vor einem liegen, wahrscheinlich nicht gewachsen sein wird.
Vielleicht ist das letztendlich sogar der wichtigste Faktor von allen.

125 Jahre organisiertes alpines Rettungswesen

125 Jahre organisiertes alpines Rettungswesen

Der Rettungsdienst im Gebirge ist nichts Neues, er ist so alt wie das Bergsteigen selbst. Im Jahr 1896, im Zeitalter des klassischen Alpinismus, erlangte das Bergsteigen für die damaligen Verhältnisse einen gewaltigen Aufschwung. Dadurch ergab sich die Notwendigkeit eine allen verunglückten oder in Bergnot befindlichen Bergsteigern dienende Organisation zu schaffen. Ein Unglück, am 8. März 1896 am Reißthalersteig auf der Rax, bei dem drei Männer in einer Lawine ums Leben kamen, wurde zum Auslöser der Gründung der ersten alpinen Rettungsorganisation der Welt.

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Gedenktafel im Bereich des Unfallortes von 1896

Alpiner Rettungs-Ausschuß Wien

Die folgend angeführten Vereine gründeten unverzüglich das „Alpines Rettungscomitée, welches 1897 in „Alpiner Rettungs-Ausschuß Wien“ (ARAW) umbenannt wurde.

    • Österreichischer Alpen-Club
    • Akademische Section „Wien“ des Deutschen und Österreichischen Alpen Verein
    • Section „Austria“ des Deutschen und Österreichischen Alpen Verein
    • Alpine Gesellschaft „Ennsthaler“
    • Niederösterreichischer Gebirgsverein
    • Österreichischer Touristen-Club

Der alpine Rettungsausschuss Wien fand großen Anklang und auch ausländische Alpenklubs wandten sich bald an den ARAW um Auskünfte über die Organisation, deren Tätigkeiten und Vorgehensweisen einzuholen.

Die Weltkriege und Zwischenkriegszeit stellten Bergrettungsaktivitäten unter besondere Herausforderungen.

 

Jubiläumsvideobotschaft von Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen

 

Der Österreichische Bergrettungsdienst

Im Jahr 1946 hatte sich der Bundesverband in Salzburg als „Österreichischer Bergrettungsdienst“ konstituiert. Auch in dieser Zeit gab es Unterstützung von den alpinen Vereinen, insbesondere dem Österreichischen Alpenverein. So wurde 1947 beispielweise die Einhebung eines Bergrettungsgroschens von allen Besuchern, in allen AV Hütten, eingeführt.

Der lokale und internationale Austausch sowie Zusammenarbeit mit Parteiorganisationen war und ist für den Bergrettungsdienst immer wichtig. Über eine Einladung des Österreichischen Alpenvereins kam es zu der internationalen Bergrettungstagung 28.8-02.9.1948 Wilder Kaiser – Obergurgl. Hier wurden die neuesten Rettungsgeräte und deren Anwendung vor internationalem Publikum präsentiert.

 

Dieser erfolgreiche Austausch führte zur Gründung der Internationalen Kommission für Alpines Rettungswesen. Der Österreichische Bergrettungsdienst ist stolzes Gründungsmitglied und heutiges aktives Mitglied dieser Organisation, welche aktuell 143 Mitglieder aus 41 Ländern zählt.  www.alpine-rescue.org

Neben der international tätigen IKAR ist der ÖBRD auch im Österreichischen Kuratorium für alpine Sicherheit, welches seit über 50 Jahren tätig ist, aktiv vertreten. www.alpinesicherheit.at

 

Bergrettung ist immer Teamarbeit.

Hohes fachliches Können, Verlässlichkeit, Vertrauen und Kameradschaft sind wesentliche Eigenschaften die eine bestmögliche Rettung ermöglichen. Dies gilt für Bergrettungsmitglieder genauso wie für an Rettungsaktionen beteiligten Organisationen. Besonders hervorzuheben ist hier die Zusammenarbeit mit der Alpin- und Flugpolizei, den Betreibern der Rettungshubschrauber, Rettungsdiensten und Notrufleitstellen.

Die Anforderungen an die Mitglieder des ÖBRD und die Organisation selbst steigen ständig. Der Bundesverband der Österreichischen Bergrettung ist gemeinsam mit den Landesorganisationen aktiv um auch zukünftig eine

    • bestmögliche Rettung aus alpinen Gelände zu ermöglichen und gleichzeitig auch
    • bestmögliche Rahmenbedingungen für die 13.000 freiwillig und im Ehrenamt tätigen Bergretterinnen und Bergretter

sicherzustellen.

 Aktuelle Zahlen / Daten / Fakten

    • rund 13.000 Bergretterinnen und Bergretter sind freiwillig und im Ehrenamt tätig
    • 1 Bundesverband als Dachorganisation
    • 7 Landesorganisationen (keine im Burgenland, Niederösterreich/Wien ist eine Organisation)
    • 291 Ortsstellen
    • 10.000 Einsätze pro Jahr
    • 230 Lawinen- und Suchhunde

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Bild und Filmquellen:

  • Österreichischer Bergrettungsdienst
  • Österreichische Präsidentschaftskanzlei
  • Österreichsicher Alpenverein
Lawinenkatastrophe als Weckruf – 125 Jahre Bergrettung

Lawinenkatastrophe als Weckruf – 125 Jahre Bergrettung

Ein Lawinenunglück vor 125 Jahren auf der Rax, im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark, führte zur Gründung der ersten Bergrettung der Welt.

Ein Bericht von ORF.at erinnert daran und zieht Parallelen zur jetztigen Zeit, wo es wieder viele Menschen in die Berge zieht.

https://noe.orf.at/stories/3093135/

https://tvthek.orf.at/profile/Niederoesterreich-heute/70017/Niederoesterreich-heute/14084351/125-Jahre-Bergrettung/14875412

 

Defibrillator-Spende für die Bergrettung NÖ/W

Defibrillator-Spende für die Bergrettung NÖ/W

Die Bergrettung Niederösterreich/Wien ist 365 Tage im Jahr rund um die Uhr bei jedem Wetter einsatzbereit, um bei Notfällen im unwegsamen, alpinen Gelände rasch und effizient helfen zu können. Bei diesen Notfällen handelt es sich aber nicht nur um Verletzungen, die sich beispielsweise SchifahrerInnen und Bergbegeisterte bei Stürzen zuziehen. Ebenfalls werden verschiedene Arten von medizinischen Notfällen versorgt – angefangen von Kreislaufproblemen, über Herzbeschwerden bis hin zu einem Atem-Kreislauf-Stillstand.

Sollte Letzteres eintreten, sind grundlegende Faktoren für eine erfolgreiche Wiederbelebung vonnöten: u.a. das ehestmögliche Absetzen eines Notrufs, der rasche Beginn der Herzdruckmassage sowie der frühzeitige Einsatz eines Defibrillators. Deshalb ist es umso wichtiger, die Flächendeckung von Defibrillator-Standorten voranzutreiben – und zwar nicht nur in der Ebene, sondern auch bei stark frequentierten Ausflugszielen im alpinen Gelände.

Da die Anschaffung von Defibrillatoren aber auch mit großem finanziellen Aufwand verbunden ist, freut uns die Unterstützung von Spendern umso mehr. Der Inhaber der Fahrschule Deutsch-Wagram, Herr Ing. Roland Zigala, spendete der Bergrettung Niederösterreich/Wien nun einen solchen Defibrillator, um bei schwerwiegenden Notfällen rasch helfen zu können.

„Die Zahl der Verunglückten auf den Straßen sinkt, hier leisten wir als Fahrschule einen aktiven Beitrag zur Sicherheit. Für mehr Sicherheit auf den Bergen können wir nur Freiwillige beim Retten unterstützen, was wir sehr gerne tun“, meint Ing. Roland Zigala. Als gebürtigem Tiroler und Milizsoldat ist ihm das alpine Gelände mit seinen Gefahren vertraut.

„Wir bemerken besonders, dass aus dem Großraum Wien viele Menschen in die
niederösterreichischen Berge kommen; das spiegelt sich auch in den Einsatzzahlen wieder“, sagt Landesleiter Matthias Cernusca. Beim Vergleich der Einsatzzahlen der Jahre 2019 und 2020 konnte bei medizinischen Notfällen im alpinen Gelände ein Anstieg von knapp 10 Prozent verzeichnet werden.

Deshalb ist geplant, den neuen Defibrillator im Frühjahr 2021 an einem Ort zu platzieren, der besonders häufig frequentiert wird. „Die Wahl fiel auf ein sehr beliebtes Ausflugsziel 50 Kilometer südlich von Wien, die Hohe Wand! Der gespendete Defibrillator wird künftig bei der ‚Hermannhütte‘ für die gesamte Bevölkerung zugänglich gemacht. Dies ist die Diensthütte der Bergrettung Hohe Wand direkt neben dem Skywalk. Bei schönem Wetter ist das Gebiet rund um den Skywalk ein Hotspot für Naturbegeisterte jeden Alters. Durch die leichte Zugänglichkeit ist es auch für Nicht-Alpinisten ein beliebtes Ausflugsziel“, berichtet Thomas Hackl, Bergretter der Ortsstelle Hohe Wand.

„Es freut uns sehr, dass niederösterreichische Unternehmen wie die Fahrschule Deutsch Wagram die Bergrettung bei der ehrenamtlichen Arbeit tatkräftigt unterstützen“, so Landesgeschäftsführer Lukas Turk. Nur durch finanzielle Spenden von Privatpersonen und Unterstützung von Unternehmen sowie dem Land Niederösterreich lässt sich das professionelle Rettungswesen in den Bergen Niederösterreichs aufrechterhalten.

Die Bergrettung Niederösterreich/Wien sagt vielen Dank!

Kurier-Artikel: Im weißen Rausch

Kurier-Artikel: Im weißen Rausch

Tourengehen zwischen Genuss und Gefahr.  So wie Marcel Hirscher verfallen immer mehr Menschen der Skitouren-Leidenschaft. Corona hat den Trend befeuert. Für Unerfahrene birgt das freie Gelände jedoch viel Risiko. Experten verraten, worauf zu achten ist.

Im Stangenwald gilt er als bester Rennläufer der Geschichte. Abseits der Piste behauptet selbst ein Ausnahmekönner wie Marcel Hirscher, ein „Anfänger“ zu sein und „noch vieles lernen“ zu müssen, was Schneebeschaffenheit und die Lawinengefahr anbelangt. Allein diese aufrichtige Selbsteinschätzung eines der besten Alpinsportler veranschaulicht die enorme Komplexität und Gefahr des Tourenskisports. Seit seinem Karriereende ist Hirscher der Leidenschaft völlig verfallen. Ein Blick auf seine Social-Media-Profile lässt keinen Zweifel aufkommen: Marcel im weißen Rausch!

Die erste „Line“ in den unberührten Pulverschnee zu ziehen, wirkt auf viele Sportler fast schon magisch. So sehr, dass sie im frühen Morgengrauen bereitsmit Stirnlampen Richtung Gipfel ziehen, um möglichst ungestört und alleine das Freiheitsgefühl auskosten zu können. „Die Gelassenheit gegenüber früher ist verloren gegangen. Kaum ist der erste Schnee da, wollen viele hinaus. Selbst bei den widrigsten Bedingungen. Und das birgt natürlich die größten Gefahren“, sagt dazu Peter Paal, Präsident des Kuratoriumfür Alpine Sicherheit (ÖKAS).

Unfallzahlen steigen
Seit Jahren erfährt der Tourenskisport einen noch nie da gewesenen Boom. Er wird durch die Corona-Pandemie, das damit veränderte Freizeitverhalten und Umstände wie gesperrte Skigebiete nochmals deutlich befeuert. Nach Angaben des Kuratoriums bewegt sich die Zahl der potenziellen Skitourengeher in Österreich zwischen 400.000 und 700.000 Personen – je nachdem, welchen Untersuchungen man Glauben schenkt. Die Wahrheit liege vermutlich in der Mitte. „Wir rechnen mit einem zweistelligen Zuwachs an Tourengehern und einem noch höheren prozentuellen Anstieg an Schneeschuhwanderern in diesemWinter“, sagt Paal. Es sei dementsprechend zu befürchten, dass in weiterer Folge auch die Zahl der Verunfallten und Verunglückten ähnlich wie im letzten Sommer im Gelände steigen wird.
Bereits der vergangene Corona-Sommer habe deutlich einen Trend erkennen lassen. 3.204 Bergunfälle mit 2.527 Verletzten und 122 Alpintoten vom 1. Mai bis 30. September 2020 in Österreichs Bergen bedeuteten einen absoluten Negativrekord. Laut Alpinunfallstatistik gab es eine Zunahme an Alpinunfällen von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre.

Wenig Vorkenntnisse
Auch wenn durch den Corona-bedingten Einbruch des Skitourismus die Pistenunfälle heuer massiv zurückgehen werden, rechnet man auf der anderen Seite mit einer Zunahme der Zwischenfälle imfreienGelände. Laut Paal hätten gerade „urbane Gelegenheitssportler“ wenig Vorkenntnisse und „wenig technisches Know-how, wie man sich im alpinen Gelände und im Schnee bewegt“. Der Sommer habe gezeigt, dass sich zunehmend mehr Menschen in den Bergen aufhalten, die dort sonst gar nicht oder nur selten anzutreffen sind. „Die Pandemie hat den Trend zum alpinen Outdoorsport wesentlich beschleunigt“, erklärt Paal.

Pistengehen vs. freies Gelände
Diese Beobachtungen decken sich auch mit jenen der Österreichischen Bergrettung. „Gerade in der Nähe der Ballungszentren sind so viele Menschen wie nie zuvor im alpinen Bereich unterwegs“, sagt der Chef der Bergrettung NÖ/Wien, Matthias Cernusca. Grundsätzlich sei dieser Trend hin zu einer sportlichen Lebensweise zu begrüßen. „Wenn man sich nicht selbst überschätzt“.
Wer keine Kurse besucht, kaum Lawinenkenntnisse hat und nur Tourenski und Felle besitzt, der habe abseits der Piste nichts verloren. „Diese Personen sollten sich eher an das Pistengehen halten“, sagt Cernusca. Wen es hingegen ins freie Gelände zieht, für den ist eine Standard-Sicherheitsausrüstung mit Lawinenverschütteten-Suchgerät (Lawinenpieps), Sonde und Schaufel ein absolutesMuss, sagt der Bergretter. Seit einigen Jahren sei zum Glück auch ein deutlicher Trend zumLawinenairbag zu erkennen. „Wir sehen, dass die Leute immer besser ausgerüstet sind. Das ist sehr positiv, allerdings nützt einem das beste Equipment nichts, wenn man nicht weiß wie man damit umgeht“, erklärt Cernusca. Er empfiehlt Tourengehern deshalb dringend, einen der Kurse zu besuchen, den alpine Vereine oder Bergführer laufend anbieten.

Auch Marcel Hirscher überlasse im freien Gelände nichts dem Zufall oder Glück. Mit einem seiner Lehrmeister, dem legendären Hias aus dem Lammertal, hatte auch schon der KURIER das Vergnügen. In fast allen alpinen Regionen gibt es laut Kuratorium für alpine Sicherheit erfahrene Bergführer, die einem zum ungefährlichen Tourenerlebnis verhelfen.

(Autor: Patrick Wammerl, KURIER)
(Foto: Pixabay)