Henri. Der Freiwilligenpreis 2020

Henri. Der Freiwilligenpreis 2020

Wie auch die Fußball-EM 2020 wurde auch „Henri. Der Freiwilligenpreis 2020“ im Sommer 2021 nachgeholt.

Beim „Henri“ handelt es sich um eine Auszeichnung für soziales Engagement, veranstaltet vom Roten Kreuz und Club Niederösterreich, um u.a. die Wertschätzung gegenüber dem Ehrenamt zum Ausdruck zu bringen.

Diese Auszeichnung fand mittlerweile zum dritten Mal statt – und zwar am Montag, den 28. Juni 2021 im Landhaus St. Pölten. Beim Festakt waren zahlreiche Gäste anwesend, u.a. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sowie Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig.

Der Preis wurde in insgesamt vier Kategorien verliehen: Einzelpersonen, Gemeinden, Unternehmen und Gruppen/Initiativen. Mit dabei war auch unser lieber Kamerad Kurt Sommerer, nominiert in der Kategorie Einzelperson, in Begleitung unseres Landesleiter-Stellvertreters Karl Weber.

Kurt Sommerer ist seit mehr als 40 Jahren Mitglied beim Österreichischen Bergrettungsdienst und ebenfalls Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. Bei Unfällen ist er sowohl bei der Bergrettung Mitterbach als auch beim Roten Kreuz Mariazellerland sowie als First Responder in Mitterbach und Umgebung als erfahrener Rettungsmann ständig im Einsatz. Aufgrund seiner Erfahrung und Umsicht ist er ein gefragter Bergrettungsfunktionär, derzeit als Ortsstellenleiter-Stellvertreter der Ortsstelle Mitterbach und vor allem als Gebietsleiter im Bergrettungsgebiet NÖ Mitte. Früher war er außerdem Ortsstellenleiter und interimistischer Landesleiter-Stellvertreter.

Kurt Sommerer hat bei der Verleihung zwar nicht den Preis gewonnen, nichtsdestotrotz sind wir mehr als stolz darauf, einen so engagierten Kollegen in unseren Reihen zu haben! Vielen Dank für dein Engagement und deine stets freundliche Art, lieber Kurt!

Fotobeschreibung Gruppenbild:
Erste Reihe: Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer (Club Niederösterreich), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Kurt Sommerer und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig
Zweite Reihe: Präsident Josef Schmoll (Rotes Kreuz Niederösterreich), Vorstandsdirektor Stefan Jauk (Niederösterreichische Versicherung AG) und Direktorin Veronika Haslinger (Raiffeisen-Holding NOE-Wien)

Fotos und Video: © Karl Weber

Gefährlicher Gipfelsturm

Gefährlicher Gipfelsturm

Auf den beliebten Ausflugsbergen nahe Wien und den östlichen Nachbarländern gab es im ersten Halbjahr um ein Drittel mehr Einsätze der Bergrettung. Alpine Vereine appellieren an die Vernunft.

Es ist genau das eingetreten, was Alpinpolizei und Bergrettung aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres prognostiziert haben. Coronabedingt steht der Heimaturlaub und vor allem das Bergerlebnis hoch imKurs. Der massive Ansturm auch von eher unerfahrenen Wanderern und Kletterern hat auch einen deutlichen Anstieg derUnfallzahlen zur Folge.

Das erste Halbjahr zeigt alleine im Einsatzgebiet der Bergrettung Niederösterreich/Wien ein Plus von zwölf Prozent. 493 Einsätze (437 bei Tag, 56 bei Nacht) sind um 58 mehr als noch im Vergleichszeitraum 2020. Drei Unfälle endeten tödlich, außerdem wurden 413 Personen verletzt und 103 unverletzt geborgen.

Besonders stark betroffen sind die Ausflugsberge und Kletter-Destinationen wie Hohe Wand, Rax und Schneeberg im südlichen Niederösterreich, die im Bereich der Ballungszentren von Wien, Bratislava und dem nahen Ungarn liegen. In diesen drei Regionen gab es von Jänner bis Juni sogar um ein Drittel mehr Bergrettungseinsätze als 2020. 72 Einsätze (2020: 49) stehen in der Statistik, die Zahl der Verletzten hat sich in dem Gebiet von 22 auf 41 fast verdoppelt.
Während im ersten Halbjahr des Vorjahres 69 Personen geborgen werden mussten, waren es heuer bereits 94. „Wir sind mehr gefordert denn je. Die Einsatzzahlen sind auf einem sehr hohen Niveau und die Urlaubszeit hat ja gerade erst begonnen“, sagt der Landesgeschäftsführer der Bergrettung NÖ/Wien, Lukas Turk. Dazu kommt, dass die Bergrettung ehrenamtlich agiert und auch die Freiwilligen einmal Urlaub benötigen. Um die entsprechende Einsatzstärke in den Ferienmonaten dennoch aufrecht erhalten zu können, ist laut Turk ein besonderes Engagement der Helfer nötig.

Stark belastete Ortsstellen wie Reichenau an der Rax stellen an den Wochenenden tagsüber eine diensthabende Mannschaft von fünf bis zehn Personen. „Teilweise sind die Leute am Berg unterwegs und nutzen die Zeit für Gebietskunde, Fortbildungen oder Training“, so Turk. Wie wichtig das ist, hat sich erst am vergangenen Wochenende gezeigt. Am Samstag wollte ein 33-jähriger Wiener zusammen mit seiner Lebensgefährtin über die „Wildfährte“ auf die Rax. Beim Einstieg in den Bärenlochsteig rutschte der Mann aus, stürzte zehn Meter ab und zog sich schwere Kopfverletzungen zu. Das Opfer wurde von einem zufällig vor Ort befindlichen Bergretter aus Reichenau erstversorgt und mit dem ÖAMTC-Rettungshubschrauber mittels Tau geborgen. Sonntagvormittag dann bereits das nächste Unglück. Ein 36-jähriger Pole stürzte in der anspruchsvollen Kletterroute „Nix für Suderer“ in der Klobenwand einige Meter tief ins Seil, nachdem ein Felsstück bei seinem Griff ausgebrochen war. Auch dieser Verunglückte musste von Bergrettung und Hubschrauber gerettet werden.

In Westösterreich rechnet man witterungsbedingt erst ab Mitte Juli mit einer Verschärfung der Situation. Derzeit gibt es in Lagen über 2.000 Meter Seehöhe noch viel Altschnee. Die Sommerferien werden aber sicherlich auch auf den Bergen Salzburgs, Tirols oder Kärntens eine Herausforderung für die Retter. Einmal mehr kommt von Organisationen wie dem Österreichischen Alpenverein der dringende Appell, sein Können richtig einzuschätzen
und die entsprechende Tourenvorbereitung nicht zu vernachlässigen.

Stefan Hochstaffl, Präsident der Österreichischen Bergrettung, warnte bereits im KURIER vor übertriebenem Ehrgeiz. Er erkennt den deutlichen Trend, dass derzeit die Berge von der „Leistungsgesellschaft“ erobert werden. „Sie setzten sich Ziele, die sie um jeden Preis erreichen wollen. Egal, ob ein Wetterumsturz kommt oder ob die Tagesverfassung mitspielt.“

© Kurier, Patrick Wammerl

Hilfe für Helfer (PEER)

Hilfe für Helfer (PEER)

Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen (SvE)
Unsere Einsätze können sehr belastend sein

Wir BergretterInnen sind bei unseren Einsätzen immer wieder mit schwierigen Situationen konfrontiert. Dafür wurden wir zwar grundsätzlich ausgebildet, dennoch gibt es Konstellationen, die plötzlich und unerwartet auftreten bzw. so intensiv und belastend sind, dass sie uns an unsere persönlichen Grenzen führen.

Die Belastungen der BergretterInnen sind im Vergleich zu anderen Rettungsorganisationen durch manchmal lange und kräfteraubende Einsätze und den häufig intensiven Kontakt zum Verunfallten oder Toten sehr groß. Die Eigengefährdung durch Witterung oder schwieriges Gelände stellt uns vor zusätzliche Herausforderungen. Auch muss bei einigen Einsätzen von Beginn an mit Totbergungen und dem Abtransport von Verstorbenen gerechnet werden, wie z.B. bei langandauernden Sucheinsätzen, Abstürzen oder Lawinenabgängen. Das verursacht während des Einsatzes mitunter großen psychischen Stress und natürlich danach.

Die persönlichen Reaktionen auf belastende Einsätze sind unterschiedlich.
Jede/r BergretterIn reagiert individuell auf besonders herausfordernde Einsätze. Es sind z.B. folgende Reaktionen möglich:

  • Selbstvorwürfe und Versagensängste
  • Schlafstörungen und Albträume
  • Konzentrationsstörungen und große Müdigkeit
  • Erhöhte Aggressivität, Schreckhaftigkeit und Angespanntheit
  • Veränderungen im Ess‐ und Trinkverhalten
  • Angstzustände, ständiges Erinnern und Vermeidungsstrategien

Das sind normale Reaktionen auf ein außergewöhnliches Ereignis!

Die Bergrettung NÖ/Wien bietet deshalb „Hilfe für die Helfer“

Einsätze können bei uns Bergrettern und Bergretterinnen Spuren hinterlassen, die durch eine gute Unterstützung besser verarbeitet werden können. Die Bergrettung NÖ/Wien bietet deshalb ihren KameradInnen Hilfe aus ihren eigenen Reihen an. Speziell ausgebildete Mitglieder („Peers“) stehen für die Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen zur Verfügung. Durch Gespräche können sich viele Dinge schneller lösen bzw. gelingt es einfacher, das Erlebte leichter zu verarbeiten. Sollte mehr Unterstützung erforderlich sein, können Peers auch zusätzliche (externe) Unterstützung organisieren.

Bei den folgenden Einsätzen wird zusätzlich zu der Einsatznachbesprechung innerhalb der Ortsstelle empfohlen den im Einsatz beteiligten BergretterInnen Unterstützung durch die Peers der Bergrettung aktiv anzubieten:

  • Lange und gefährliche Einsätze unter schwierigen Bedingungen
  • Einsätze, bei denen das Opfer den Bergrettern bekannt ist
  • Einsätze mit Kindern
  • Totbergungen, Suizid
  • Einsätze, bei denen es zu Unfällen, Verletzungen oder zum Tod von Kameraden kommt

Die Gespräche zwischen Bergrettern und Peers sind absolut vertraulich und anonym!

Als Koordinatoren im Hintergrund sind tätig:

Thomas Kaltenecker
OS Wienerwald Süd

Alexander Egger
OS Lackenhof

Das Peerteam der LOrg NÖ/W

Manfred Lienbacher

Manfred Lienbacher

OS Lackenhof

Karin Strasser

Karin Strasser

OS Triestingtal

Franz Grießl

Franz Grießl

OS Mitterbach

Barbara Undeutsch

Barbara Undeutsch

OS Wienerwald Süd

Unterwegs mit der Mitterbacher Bergrettungsjugend

Unterwegs mit der Mitterbacher Bergrettungsjugend

Im Jahr 2016 wurde die erste Bergrettungsjugend der Ortsstelle Mitterbach ins Leben gerufen. Vier Kids zwischen 11 und 14 Jahren waren zu diesem Zeitpunkt bereits so motivierte Bergsteiger und Kletterer, dass es sich die Ortsstelle Mitterbach nicht nehmen lassen wollte, diese Begeisterung zu fördern.
Mittlerweile sind die vier „Gründungsmitglieder“ bereits fertig ausgebildete Bergretter bzw. befinden sich in Ausbildung und sind voll im Vereinsleben integriert.
2021 zählt die Jugendgruppe stolze neun Mitglieder zwischen 9 und 15 Jahren – Mädels und Jungs. Obwohl die Vereinstätigkeit während der Wintermonate etwas ruhen musste, haben die Übungen und Touren mit der Jugendgruppe im Frühjahr wieder volle Fahrt aufgenommen.
Alle zwei Wochen kommen die künftigen Bergretter zusammen, um die wichtigsten Knoten zu üben, Touren zu planen oder gemeinsame Wanderungen zu unternehmen.
So auch Mitte Mai: als Ziel wurde die im Einsatzgebiet befindliche Brunnsteinmauer ausgewählt. Gemeinsam mit den Jugendleitern ging es an die Tourenplanung: einerseits ganz „Old School“ über die altbewährte Wanderkarte und andererseits wurden auch moderne Techniken wie Handyapps oder GPS-Uhren zur Unterstützung herangezogen.
Noch ein kurzer Check ob alle Notwendigkeiten in den Rucksack gepackt wurden und los ging es – denn die etwas kühle und nasse Wetterlage konnte den Jugendlichen die Motivationen nicht nehmen. Nach knapp 50 Minuten war der Gipfel erreicht. Wie so oft am Berg, wehte dort oben ein kühler Wind. Bestens ausgerüstet, wurden schnellstmöglich Jacke und Haube angelegt, um dem Wetter zu trotzen. Dennoch wurde es rasch Zeit für den gemeinsamen Abstieg ins Tal.
Und so hofft die Bergrettungsjugend der Ortsstelle Mitterbach auf baldige Wetterbesserung und freut sich schon auf die nächste gemeinsame Tour.
Fotos: © ÖBRD
Schulung Flugpolizei

Schulung Flugpolizei

Für die Einsatzleiter des Gebiets Mitte fand vorletzte Woche eine zweitätige Schulung mit der Flugpolizei statt.

Am Freitag fand ein Theorieblock statt, welcher u.a. die Geschichte der Flugpolizei in Österreich beinhaltete. Die Flugpolizei litt am Anfang unter den Einschränkungen der Nachkriegszeit, war aufgrund der Lawinen- und Hochwasserereignisse jedoch notwendig. Zu Beginn standen auch noch Flächenflugzeuge zur Verfügung, mit denen spektakuläre Hochgebirgsrettungen gelangen. Später wurden die Hubschrauber der Flugpolizei im Bereich der Flugrettung unter ihrem Rufnamen „Martin“ bekannt. Im Jahr 2001 wurde diese Aufgabe an die ÖAMTC Flugrettung übertragen.

Seit damals liegen die Aufgaben für die Polizei im Bereich Flugrettung in der Rettung von unverletzten Personen sowie in der Bergung von getöteten Personen aus dem alpinen Bereich. Darüber hinaus zählen natürlich auch eine Reihe an polizeilichen Aufgaben zum Tätigkeitsfeld der Flugpolizei. Neben den Standardhubschraubern gehören spezielle FLIR Maschinen zur Ausstattung der Flugpolizei. Mit ihrem speziellen Kamerasystem können die Maschinen bei der Suche nach abgängigen Personen eine hilfreiche Unterstützung sein, speziell auch in der Nacht.

Den Abschluss der Schulung in Wien bildeten eine Hubschrauber-Sicherheitseinweisung sowie eine Erklärung der Grundregeln beim Transport mit der EC 135.

Der Samstagmorgen startete mit einer kurzen Wiederholung der Sicherheitsschulung, um danach gleich praktisch unter laufenden Rotoren das Ein- und Aussteigen mit den Kommandos des Flightoperators zu üben. Im alpinen Gelände ist das vollständige Landen sehr selten möglich, deshalb wurden im nächsten Schritt die Handgriffe für das schwebende und angestützte Verfahren geübt. Ein kurzer Flug zum Eisenstein hinüber ermöglichte uns, auch diese Schritte im winterlichen Umfeld zu festigen.

Die korrekte Einweisung des Hubschraubers wurde jeweils von einem anderen Kameraden übernommen, um auch den Downwash erleben zu können. Der Anflug des Hubschraubers bis kurz vor die Nasenspitze zeugte schon von der Genauigkeit einer solchen Landung.

Sollte auch ein angestütztes bzw. schwebendes Landen nicht möglich sein, so bleibt nur mehr der Transport mittels Tau zum bzw. vom Notfallort. Hier stehen verschieden Taulängen zur Verfügung. Um einen besseren Eindruck zu bekommen wurde ein kurzer Flug mit einem sehr kurzen Tau (ca. 3 Meter Länge) unternommen und im Vergleich dazu auch ein Flug mit einem Tau mit 20 Metern Länge.

Zusammenfassend war dies eine sehr erfolgreiche und informative Schulung. Vieles hat man schon einmal in der Theorie gehört, aber das praktische Üben von manchmal scheinbar banalen Dingen, wie das Angurten oder das Anlegen des Headsets in einem Hubschrauber zeigte, wie wichtig hier eine gute Zusammenarbeit ist. Auch die Schritte vor und nach der Landung sind wichtige Aufgaben für einen sicheren und reibungslosen Einsatzablauf.

Mit diesem, jetzt auch praktischen Wissen, können die Einsatzleiter auch die anderen Kollegen besser auf die Einsätze mit dem Hubschrauber vorbereiten und auch für die Zukunft sind weitere Schulungen geplant. Diese Übung fand im April übrigens auch in den Gebieten Süd und West statt.

Herzlicher Dank gilt der Crew der Flugpolizei für die interessante Schulung, der Ortstelle Türnitz und unserem Gebietsausbildungsleiter für die Organisation, sowie Helirescue Austria für die Bilder.

Fotos: © Helirescue Austria

Informationskompetenz am Berg

Informationskompetenz am Berg

Der Trend, dass immer mehr Menschen die Berge für sich entdecken, die in ihrem Leben bisher nur geringe bis gar keine alpinistische Erfahrungen gesammelt haben, ist bereits seit mehreren Jahren zu beobachten. Die Pandemie, die uns nun bereits ein Jahr lang begleitet, scheint diese Tendenz – auch mangels vieler anderer Freizeitalternativen – noch verstärkt zu haben.

Gleichzeitig offenbart das Einsatzgeschehen – in diesem Fall geht es um das Rax-Schneeberg-Gebiet, das gerade für Neo-Bergsteigerinnen und Bergsteiger ein beliebtes Ausflugsziel darstellt – einen weiteren Trend: Hilfeleistungen für unverletzte Personen, die aufgrund mangelnder Orientierung, Erschöpfung oder Überforderung aufgrund des Schwierigkeitsgrades der gewählten Route einen Notruf absetzen, sind ebenfalls im Zunehmen begriffen. In den letzten zwei Jahren entfiel jeweils ein Drittel der Einsätze der Ortsstelle Reichenau an der Rax auf die Suche nach bzw. Bergung von Unverletzten.

Die meisten dieser Einsätze lassen sich im Wesentlichen auf eine mangelhafte Tourenplanung zurückführen, was zuweilen darin gipfelt, dass Personen spontan beschließen, einfach einem Wegweiser zu folgen, ohne über die Anforderung der gewählten Route Bescheid zu wissen oder auch querfeldein eine vermutete Abstiegsmöglichkeit ins Tal zu wählen, die dann nicht selten vor einem Felsabbruch endet.

Dennoch erscheint der Vorwurf, dass auf eine Tourenplanung generell verzichtet wird, in dieser Pauschalität nicht gerechtfertigt. Nicht immer geraten Menschen am Berg in prekäre Situationen, weil sie sich völlig unvorbereitet in ein Bergabenteuer stürzen. Das Internet und die Möglichkeiten digitaler Medien ganz allgemein machen es leicht, sich vorab wie vor Ort zu informieren, sei es über mögliche Routen inklusive Wegfindung mittels Apps, das aktuelle Wetter oder die Öffnungszeiten von Berghütten. Und diese Möglichkeiten werden durchaus genutzt.

Leider zeigt die Erfahrung auf Basis der Einsatzstatistiken, dass dies allerdings in vielen Fällen nicht ausreichend ist. Gerade am Berg geht es immer auch darum, Informationen zu bewerten und in einen Gesamtkontext zu stellen. Dass es beispielsweise nicht genügt, lediglich Routenverlauf und Schwierigkeitsgrad eines Klettersteiges zu recherchieren, zeigt sich alljährlich im Frühjahr am Alpenvereinssteig auf der Rax – so auch am heurigen Palmsonntag. Nach einem schneereichen Winter ist auf diesem nordwestseitig gelegenen Aufstieg mit dem Schwierigkeitsgrad B oft bis weit in den Mai hinein mit Schnee im oberen Bereich zu rechnen. Im Frühjahr kommt es regelmäßig zu Einsätzen, weil Personen auf den steilen, zum Teil pickelhart gefrorenen Schneefeldern nicht mehr vor und zurück können. An diesem Beispiel wird deutlich, dass etwa die Tatsache, dass sich die Verhältnisse am Berg und im Tal, auch in Abhängigkeit von der Jahreszeit, zum Teil beträchtlich unterscheiden können, bei jeglicher Tourenplanung selbstverständlich mitzudenken ist.

Speziell auf diesem Steig scheinen interessanterweise insbesondere Bergsteigerinnen und Bergsteiger aus dem Nachbarland Tschechien überzufällig häufig die Hilfe der Bergrettung zu benötigen. Eine mögliche Antwort lieferte die Bergung dreier Personen im Frühjahr 2019, die auf eine tschechische Internetseite verwiesen, wo der Alpenvereinssteig angeblich als der leichteste versicherte Klettersteig im Raxgebiet angepriesen wird, der auch mit Kindern zu begehen sei. Hier zeigt sich eine weitere Problematik: Informationen aus dem Internet sind zwar jederzeit und für alle zugänglich, unterscheiden sich jedoch zum Teil erheblich in Bezug auf Qualität und Vertrauenswürdigkeit. Obwohl natürlich nicht jedes Posting in der Facebook-Gruppe oder in diversen Foren pauschal als unseriös zu bewerten ist, ist es doch dringend zu empfehlen, diese Infos nicht als alleinige Ressourcen heranzuziehen, sondern sie zumindest mit verlässlichen Quellen wie etwa den Seiten der Alpinen Vereine zu validieren. Gerade für Personen mit wenig Bergerfahrung stellt nicht zuletzt eine differenzierte und detaillierte Tourenbeschreibung mit Verweis auf spezielle Gefahren und Herausforderungen als wichtiges Hilfsmittel dar, um zu entscheiden, ob man der Tour gewachsen sein wird oder nicht.

Das Stichwort „Hilfsmittel“ führt weiter zu den beliebten Apps, die gerne zur Wegfindung eingesetzt werden. Auch hier belegt die Einsatzstatistik, dass Informationskompetenz eine wichtige Voraussetzung am Berg darstellt. Das beginnt bereits mit der Wahl der richtigen App. Dabei hat sich auf der Rax bereits mehrfach gezeigt, dass Google Maps als Navigationshilfe mit Vorsicht zu genießen ist. So war bis vor kurzem auf Google Maps zwischen Talstation und Bergstation der Raxseilbahn ein mit dem Auto befahrbarer, in der Realität jedoch nichtexistierender Weg eingezeichnet, was in den letzten Jahren mehrere Einsätze aufgrund von Verirren (darunter einen mit einem wenige Wochen alten Säugling) zur Folge hatte. In einem anderen Fall waren zwei Frauen selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich bei einem in der (nicht näher bekannten) App eingezeichneten Weg um einen markierten Wanderweg handle. Sie mussten gemeinsam mit ihren Hunden von dem ungekennzeichneten, unbefestigten und zum Teil durch schrofiges Gelände führenden Steig ausgeflogen werden.

Was von Bergerfahrenen mitunter kopfschüttelnd als „normaler Hausverstand“ tituliert wird, gestaltet sich in Wahrheit gerade am Berg als durchaus komplexer Vorgang, bei dem eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen ist. Wer von Kindesbeinen an Lernerfahrungen am Berg gesammelt hat, ist hier ganz klar im Vorteil, da das implizite Wissen und der Erfahrungsschatz von Jahrzehnten stets als Referenz herangezogen werden können. Dies schließt auch konkrete Bewegungserfahrung mit ein – Trittsicherheit lässt sich nun einmal schwer aus dem Internet downloaden.

Informationskompetenz am Berg bedeutet nicht zuletzt auch, sich der eigenen Grenzen bewusst zu sein und die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen, also gleichsam auch über sich selbst umfassend informiert zu sein. Dies eröffnet vor allem auch die Möglichkeit, im Zweifelsfall rechtzeitig umzukehren, wenn man bemerkt, dass man den Herausforderungen, die vor einem liegen, wahrscheinlich nicht gewachsen sein wird.
Vielleicht ist das letztendlich sogar der wichtigste Faktor von allen.