Von Hubert Köttritsch hubert.koettritsch@bergrettung-nw.at

t͜siˈviːlkuraːʒə, sprich: Zivilcourage. Eine gängige Definition für Zivilcourage lautet: Mut, den jemand beweist, indem er humane und demokratische Werte (z. B. Menschenwürde, Gerechtigkeit) ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen in der Öffentlichkeit, gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten o. Ä. vertritt.

Und was soll dies mit der Bergrettung zu tun haben?

„Allen, ohne Ansehen der Art oder des Verschuldens der Notlage, abseits des öffentlichen Straßennetzes im unwegsamen, insbesondere im alpinen Gelände Verunglückten, Vermissten, Erkrankten oder sonst in Not Geratenen zu helfen, sie zu suchen, zu versorgen, zu bergen und abzutransportieren“ ist ja der Hauptzweck der Bergrettung (§2 der Satzungen).

Bergretter/innen gelten als Altruisten, gute Kameraden, mutige und tapfere Menschen.

Manche sagen „hinzuschauen“ und nicht wegzuschauen, das sei Zivilcourage. Nach einem bekannten Politikwissenschafter Gerd Meyer von der Eberhard Karls Universität Tübingen wird Zivilcourage vereinfacht mit Hilfe gleichgesetzt. Hilfe ist zwar meist mit Zivilcourage verbunden, aber nicht notwendig umgekehrt. Als offizielle Rettungsorganisation ist es natürlich im Verantwortungsbereich jedes und jeder Bergretter/in in Not geratenen Menschen Hilfe zu leisten und gleichzeitig Zivilcourage zu beweisen. Denn zum Unterschied zu Einsatzorganisationen Polizei, Feuerwehr und Rettung agieren wir gänzlich ehrenamtlich.

Vier zentrale Merkmale definieren den Handlungs- und Wirkungsumfang der Bergrettung, die zugleich in der Begriffsdefinition von der „Zivilcourage“ gleichermaßen wie bei „Hilfe“,  „Altruismus“ oder „Solidarität“ sowie „Mut“ oder „Tapferkeit“:

  1. Es gibt einen Konflikt zwischen denen, die Werte und Normen verletzen, und denen, die sich für ihre Bewahrung einsetzen.

Ja, Bergretter sind konfrontiert mit: Pistentourengehern, Tourengehern bei akuter Lawinengefahr und oder Nacht, Bergsteigern die bei jedem Wetter unterwegs sind…

  1. Es gibt häufig nicht bestimmbare Risiken, das heißt, der Erfolg zivilcouragierten Handelns ist häufig unsicher, und der Handelnde ist bereit, Nachteile in Kauf zu nehmen.

Ja, Risikomanagement ist ein zentrales Thema jedes Bergrettungseinsatzes. Der Eigenschutz der Bergretter muss gewahrt bleiben, d.h. bei Gewitter, Sturm, akuter Lawinengefahr kann nicht immer sofort geholfen werden, dennoch wird versucht das Menschenmögliche zu tun, da auf Grund von Ausbildung, Ausrüstung, Erfahrung, Erkenntnissen und Teamarbeit unsere Grenzen anders gesetzt werden können.

  1. Zivilcouragiertes Handeln ist öffentlich, d. h. in der Regel sind mehr als zwei Personen anwesend.

Ja, wir sind etwa 1350 Bergretterinnen und Bergretter in NÖ/Wien.

  1. Es gibt ein reales oder subjektiv wahrgenommenes Machtungleichgewicht zuungunsten dessen, der mutig handeln will.

Jein, BergretterInnen sind nicht wirklich machtlos, auch wenn die Interessen der Touristiker und die Vertreter der modernen Freizeit-Spaßgesellschaft übermächtig erscheinen, die Naturgesetze gelten für alle gleich.

Der 31. Jänner ist zum #TagDerZivilcourage erwählt worden. Wenn Sie glauben wir verdienen ein DANKE, freuen wir uns über Ihre Unterstützung in Form der Rettungs- & Bergekostenversicherung, die nicht nur ihr Leben retten kann, sondern auch das couragierte Wirken unserer Einsatzorganisation unterstütz.

Hubert Köttritsch (Jg. 1949) ist seit 1981 Bergretter mit Leib und Seele und engagiert in der Öffentlichkeitsarbeit in der Ortsstelle Amstetten, NÖ West und Land NÖ/W. Der gelernte Maschinenbauer und selbstständige Konsulent für Engineering Training Consulting ist verheiratet, hat drei Kinder und fünf Enkelkinder.

Fotos: © ÖBRD