Vom 16.-19.06. fand der Basiskurs Sommer auf der Hohen Wand statt. Sechs Kursgruppen mit je sechs Teilnehmer*innen absolvierten in den Felswänden ihre Grundausbildung – begleitet und betreut von je zwei Lehrwarten, die für die Vermittlung der Kursinhalte und für die Sicherheit der Gruppe verantwortlich waren. In Summe waren 60 Personen, in vorwiegend roten Jacken, bei verschiedensten Bergemethoden zu beobachten.

Bei strahlendem Sonnenschein startete der Kurs nach der Begrüßung durch unseren Landesausbildungsleiter Peter Mayerhofer. Nach mahnenden Worten zur Sicherheit wurden Gruppeneinteilungen verlesen, Seile und Karabiner im Rucksack verstaut, Tragen geschultert. Eine Stunde später wurde es wieder ruhig rund ums Gasthaus Postl. Top motiviert gingen alle sofort ans Werk und begannen die Ausbildung.

Schon am ersten Tag ging es nach kurzer Einweisung ins steile Felsgelände. Nur hier kann richtig trainiert werden. Bei 100 Metern Luft unter den Füßen braucht man nicht darüber referieren, ob eine Sicherung notwendig sei. Seilgeländeraufbau und Abseilübungen standen am Programm. Ein kurzes Hagelgewitter am Nachmittag konnte die gute Laune nicht trüben. Eine Gruppe musste ein ungeplantes Biwak aussitzen. Bei der üblichen Nachbesprechung klang der Tag aus, beim gemütlichen Zusammensein, bis in die Nacht, wurde über Bergerlebnisse geplaudert, denn diese Leidenschaft ist in der DNA jedes/r Bergretter*in, gepaart mit dem Wunsch anderen zu helfen. Nach und nach verschwanden alle in den Betten. Die kommenden Tage brauchen die volle Aufmerksamkeit.

Am zweiten Tag startet der Kursbetrieb um 08:30. Der Tag wird noch lange. Bei Tageslicht werden Flaschenzüge vom Lehrpersonal vorgezeigt und von den Teilnehmer*innen angewendet. Schön langsam wechselten wir vom Schulen ins einsatzorientierte Anwenden. Das ist das Tagesziel. Dieser Tag endete aber nicht mit dem Abendessen. Um 21:00 Uhr wird es noch mal laut rund um unser Quartier. Die Nachtübung steht am Programm. Übungen bei Dunkelheit sind die Königsklasse in der Ausbildung. Die objektiven Gefahren sind schwerer zu erkennen. Die Organisation am Klettergurt ist bei Dunkelheit wichtig. Ein Griff und der richtige Ausrüstungsgegenstand sollte zur Hand sein. Die Anspannung steigt. Beim Zustieg wird fast kein Wort gesprochen. Alle sind konzentriert und warten auf die Anweisungen der Lehrwarte. Erst nach Mitternacht kommen die Gruppen zurück. Die Erkenntnisse werden in der Feedbackrunde nachbesprochen und Zeit für ein kühles Getränk muss danach noch sein.

Die Nacht ist kurz, so mancher Muskel schmerzt von den körperlichen Anstrengungen der beiden Tage. Der dritte Tag startet trotzdem um 08:30. Um die Lebensgeister zu erwecken ist manch lockerer Spruch der Ausbilder zu hören. Auch am Samstag werden Abläufe wiederholt und verinnerlicht. Die Sonne brennt erbarmungslos auf die Helme. Jeder Windhauch an der Abbruchkante wird genossen. Dieser Tag endet für viele bei einem Eiskaffee auf der schattigen Terrasse.

Letzter Tag! Die Einsatzübung steht am Programm. Das Erlernte muss in einer Einsatzübung angewandt werden. Jede Gruppe hat einen Verletzten zu bergen und an einen Übergabeort an der Straße zu bringen. Alle helfen zusammen, die Gruppen harmonieren immer besser, was auch den Lehrwarten ein Lächeln entlockt. Die steigende Lernkurve ist bei allen zu erkennen. Mit viel Engagement wird die Aufgabe gelöst, das Kursende und auch das Kursziel erreicht.

Schweißtreibende Tage liegen hinter den Teilnehmer*innen und dem Lehrpersonal. Aufatmen bei der Kursleitung, dass alles ohne Verletzung abgelaufen ist. In einem persönlichen Gespräch bekommt jede*r Teilnehmer*in ihre/seine Stärken und Potentiale aufgezeigt um daran in der Ortsstelle weiter zu arbeiten. Der erste „richtige“ Kurs ist absolviert.

Es ist Sonntagnachmittag. Morgen sind alle, ob Teilnehmer*in oder Ausbilder wieder in ihrem Job tätig, weil Bergrettung „Ehrenamt“ bedeutet. 

Fotos: © Georg Krewenka

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