Die Hohe Wand ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Kletterer und Naturbegeisterte, auch die Community der Paragleiter wird von Tag zu Tag größer, welche die Hohe Wand als Startplatz für ausgedehnte Flüge nützt. Gleich zwei Startplätze bietet die Hohe Wand den Paragleiter*innen.

Leider steigt durch das immer größere Interesse der Sportler*innen auch die Zahl der möglichen Unfälle im Zusammenhang mit Paragleitern oder Drachenfliegern. Die Bergrettung Hohe Wand verfügt über ein Baumberge-Set, welches speziell für die Rettung aus Baumwipfeln geeignet ist. Wie in allen Bereichen der Bergrettung steht die Sicherheit an oberster Stelle. Somit ist das Bergrettungsmitglied, welches zu der/dem verletzten Paragleiter*in zusteigt, doppelt gesichert. Mittels Steighilfe können auch Bäume, welche über mehrere Meter keine Äste besitzen, leicht erklettert werden. Sobald die im Baum hängende Person erreicht wird, wird diese gesichert. Erst dann wird sie von dem im Baum festhängenden Schirm getrennt. Die/der Sportler*in kann dann sicher mittels eines Seils zu Boden gebracht werden. Sollte der Baum sehr dichte Äste besitzen, kann eine Art der „Seilbahn-Rettung“ durchgeführt werden. Hierfür wird ein Seil im flachen Winkel vom Baum weg gespannt und die verunfallte Person aus ihrer misslichen Lage befreit.

Um für diesen Fall gerüstet zu sein, hat die Bergrettung Hohe Wand einen ganzen Tag der Übung dafür genutzt, die Rettung von verunfallten Paragleiter*innen aus den Baumwipfeln zu trainieren. Unter Einhaltung der aktuell geltenden Hygienevorschriften wurde in Kleingruppen der gesamte Ablauf der Rettung genau besprochen und praktisch umgesetzt. Auf insgesamt vier Stationen konnten alle wichtigen Punkte der Rettung aus den Baumwipfeln bis ins kleinste Detail trainiert werden.

Station 1 konzentrierte sich auf den Aufstieg auf den Baum: Jede/jeder der Teilnehmer*innen konnte selbst mit den Aufstiegshilfen diese „ungewohnte Art des Kletterns“ ausprobieren und perfektionieren. Der jeweilige Trainer unterstützte mit hilfreichen Tipps für ein rasches, aber sicheres Aufsteigen.

Station 2 befasste sich mit der Sicherung und direkten Versorgung der/des Paragleiter*in im Baumwipfel. Alle anwesenden Bergretter*innen trainierten das Sichern und Befreien des Unfallopfers. In weiterer Folge wird auch das Ablassen auf den sicheren Boden von jedem am Kurs teilnehmenden Bergrettungsmitglied geübt.

Station 3 fokussierte sich auf das Errichten einer Seilbahn-Rettung aus stark verästelten Bäumen. Wie bereits erwähnt stellt sich hier das Problem, dass die zu rettende Person nicht direkt am Stamm entlang zu Boden gelassen werden kann. Deshalb wird ein Seil im flachen Winkel vom Baum weggespannt. An diesem kann dann die Rettung sicher stattfinden.

Station 4 behandelte die medizinische Versorgung der möglichen verletzten Person. Die wichtigsten Schritte der Ersten Hilfe und weiteren Lagerung wurde detailgenau besprochen und praktisch geübt. Hier arbeitet auch die Bergrettung bereits seit vielen Jahren nach internationalen Abläufen wie „PreHospitalTraumaSupport“.

Eine nicht unwichtige Tätigkeit nach erfolgreicher Rettung der/des Paragleiter*in ist die Befreiung des im Baum hängenden Schirmes. Es bedarf viel Fingerspitzengefühl um sowohl den Baum, als auch den Paragleitschirm so wenig wie möglich dabei zu beschädigen. Aber auch diese Tätigkeit meistern die erfahrenen Bergretter*innen bei jedem Einsatz. 

Das Trainerteam rund um Ausbildungsleiter Gernot Langer konnte den Bergretter*innen der Ortsstelle Hohe Wand in realistischen Szenarien eine gute Möglichkeit bieten, für den Ernstfall bestmöglich vorbereitet zu sein.

Fotos: © ÖBRD / Markus Hofer

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