​Als sich im Februar 2016 bei einem Kick-off-Meeting die Arbeitsgemeinschaft KFZ konstituierte um ein modernes Einsatzfahrzeug für die Bergrettung in NÖ zu schaffen, ahnte noch niemand wie lange und komplex dieser Prozess noch werden sollte.

Zu dieser Zeit waren überwiegend zwei Fahrzeugtypen im Einsatz: Der Defender von Land Rover und der Kombi T 5 sowie teilweise auch noch der T 4 von VW, beides Fahrzeuge deren technische Hochblüte schon vorüber war. Unser „Brot und Butter“-Auto, der Defender, würde in Kürze nicht mehr gebaut werden und ein Nachfolger war nicht in Sicht. Auch hätten wir in der der bisherigen Form aus sicherheitstechnischen Gründen keine Zulassung mehr bekommen. Aber auch der VW Kombi war als KFZ ab Werk nicht für Geländefahrten gebaut und der Liegendtransport gab immer wieder Anlass zur Kritik.

Es wurde nach Rücksprache mit den Ortsstellen ein Lastenheft erstellt mit den hervorstechendsten Punkten:

  • Geländegängigkeit mit 4×4 Antrieb
  • Liegendtransport
  • Transportkapazität 1+8 Personen
  • höchste Variabilität zwischen Liegend-Transport und max. Anzahl der Personen-Beförderung
  • Schaltgetriebe
  • „Die letzten 100 m gehen wir zu Fuß“, d.h. wir wollen mit dem Fahrzeug nicht risikoreich in extremes Gelände fahren.

Was folgte waren Besuche in Autohäusern, bei Allradspezialisten wie der Fa. Oberaigner in OÖ und Messen wie die „Allrad Alland“. Aber auch Fact-Finding Missions bei anderen Bergrettungs- Organisationen, wie der Bergrettung Tirol oder der Bergwacht Bayern, wurden telefonisch geführt.

Es kristallisierte sich immer mehr der VW Kombi T6 mit Umbaukomponenten für schweres Gelände von der Fa. Seikel – ein Systemlieferant von VW – heraus. Porsche Inter Auto ermöglichte uns einen Besuch des Beraters von der Fa. Seikel mit einem modifizierten VW Kombi zur Probefahrt und im August 2017 hatten wir am Gelände des MSC Schwarzatal in Landschach die Gelegenheit das Auto zu testen.

Was folgte waren viele Gespräche mit der österreichischen Repräsentanz von Seikel bezüglich Umbaufeinheiten, aber auch mit dem Amt der NÖ Landeregierung wegen dem Liegentransport, der Bereifung und der Erhöhung des höchstzulässigen Gesamtgewichtes auf 3,5 Tonnen – für uns ein besonders wichtiges Anliegen. Einsatzfahrzeuge, auch die anderer Einsatzorganisationen, kommen nur zu schnell an ihr Gewichtslimit.

2020 und 2021 kam uns dann noch die Pandemie mit Covid 19 in die Quere und die Lieferzeiten von VW bewegten sich in Richtung 6 bis 9 Monate; dazu vergrößerte Tyromont bei einer von den drei, von uns zu verwendeten Tragen, auch noch die Abmessungen – die Trage wurde länger und breiter.

2021 waren alle Hürden geschafft und das erste Auto konnte an die Ortsstelle Reichenau ausgeliefert werden:

Fahrzeug Basis:

VW T6 Kombi TDI 4MOTION (Allrad) EU6, kurzer Radstand, Normaldach
Motor 150 PS/ 110 kW
Getriebe 6-Gang Schaltgetriebe
  • Bestuhlung 1 + 8 Sitzplätze
  • ABS / ASR / EDS mit Berganfahrassistent
  • Stabilitätsprogramm (ESP), mit Gespannstabilisierung bei Anhängbetrieb
  • Bergabfahrassistent: Abregelung der Motordrehzahl und wenn nötig durch aut. Bremseingriffe
  • zweite Batterie,
  • erhöhte Batterie- / Generator Kapazität
  • Fahrwerk 17 Zoll
  • Sperrdifferential 100%, manuell
  • ab Werk hzGG 3,2 to / durch Adaptionen später auf hzGG 3,5 to zugelassen

Umbau des Getriebes, Höherlegung des Fahrwerkes und Anbringen der Schutzplatten durch die Österreich-Repräsentanz der Fa. Seikel, KFZ-Lehner, mit den Komponenten der Fa. Seikel:

  • Achs- und Getriebeübersetzung ändern, alle Gänge kürzer als Serie zwischen 10% und 38%
  • Höherlegung des Fahrzeuges, in Summe um 56 mm
  • Bereifung 225/65 R 17 Goodrich All Terrain
  • Anpassung der Radhäuser zur Verwendung der Reifendimension mit Schneeketten
  • Aluminium Schutzplatten Motor + Getriebe
  • Aluminium Schutzplatten Tank
  • Aluminium Schutzplatten Auspuff
  • Aluminium Schutzplatten Differential
  • Seitenschweller Leisten
  • Anhängevorrichtung Kugelkopf tiefer gelegt und abnehmbar

Die Adaptionen der bergrettungsspezifischen Erweiterungen führte ebenfalls die Fa. KFZ-Lehner durch. Erstmalig bekommen wir auch eine genaue Dokumentation der Umbauarbeiten inkl. Einbauplan Funk:

  • Ausstattung mit Blaulicht
  • Einbau Funkgerät
  • Dachträger
  • Heckaufstiegsleiter
  • Umbau wahlweise Liegendtransport
  • Umfeld Beleuchtung
  • Batterieladegerät

Hier folgt noch ein kurzes Video über unser neues Einsatzfahrzeug: https://vimeo.com/566546140

Fotos + Video: ©  Georg Krewenka