Weiterbildungskurs Sommer – eine Bergretterin berichtet

1. Okt. 2026 | Allgemein, Übung

Anfang September startete der viertägige Weiterbildungskurs Sommer im Gebiet rund um das Weichtalhaus. Insgesamt nahmen 14 Bergretter:innen aus verschiedenen Ortstellen von Niederösterreich und Wien teil.

Bereits am ersten Morgen ging es ab ins Gelände. Aufgeteilt in zwei Gruppen, machte sich eine auf den Weg zum Akademikersteig, während die andere den Katzenkopfzimmersteig in Angriff nahm. Umgeben von Felsen und Schrofengelände übten wir das Legen von und Absichern mit Friends und Klemmkeilen. Danach wendeten wir das zuvor Gelernte an und arbeiteten uns mit einem fortlaufenden Seilgeländer sowie mit Zweier- und Dreierseilschaftenden Steig hoch. So wie der Aufstieg war auch der Abstieg sehr kurzweilig: Nach dem Abseilen ging es durch eine lange Schotterrinne talwärts, die bei einigen sicherlich für Freude sorgte. Zurück im Weichtalhaus beendeten wir den ersten Tag mit dem Bau einer losen Rolle sowie einigen Genusstouren an der Kletterwand.

Im Mittelpunkt des zweiten Ausbildungstages stand das Thema „Klettersteig“. Geübt wurde unter anderem das Nachsichern einer blockierten Person, sowie komplexe Bergungen aus dem Klettersteig, wobei die „neue“ Petzl Pro Traxion regelmäßig zum Einsatz kam. Ein weiteres Highlight an diesem Tag war definitiv der Besuch vom Supervisorteam vom Notruf Niederösterreich. Es wurden zwei realitätsnahe Notsituationen am Klettersteig als Schauübung nachgestellt, um ihnen einen Einblick in Abläufe und Herausforderungen solcher Einsätze zu geben. Der perfekte Abschluss für so einen intensiven Kurstag war auf jeden Fall eine Abkühlung in der Schwarza.

Am dritten Tag teilten sich die beiden Gruppen wieder auf – eine machte sich auf den Weg zur Vorderen Stadlwand, die andere ging Richtung Wachthüttelturm. In zahlreichen Übungsszenarien wurden diverse Bergetechniken geübt.

Zum Abschluss des Tages stand noch eine anstrengende, aber richtig coole Nachtübung auf dem Programm. Obwohl wir aus verschiedenen Ortsstellen kamen und uns teilweise noch nicht lange kannten, hat die Zusammenarbeit von Anfang an super funktioniert. Jeder packte mit an und konnte sich auf den anderen verlassen – genau so, wie es auch im Einsatz wichtig ist.

Auch am letzten Tag ging es noch einmal richtig zur Sache. Von der Materialschlacht beim Seilbahnbau bis hin zur Kamerad:innenenrettung aus der Kletterwand war alles dabei.

Ein besonderer Dank gilt unseren Lehrwarten Jürgen und Roman für eure Zeit, Geduld und die vielen wertvollen Praxistipps. Besonders der Austausch mit den anderen Teilnehmer:innen und die tolle Kameradschaft haben die Kurstage zusätzlich bereichert. Danke für diese gelungenen und vor allem lehrreichen Kurstage!

 

Begriffe aus der Bergrettung kurz erklärt!
  • Legen von (Frieds und Klemmkeilen):

Ist eine grundlegende Technik beim (Alpin)klettern. Da hierbei kein festinstallierter Bohrhacken vorhanden sind, werden Sicherungspunkte von den Bergretter:innen selbst angebracht um einen möglichen Sturz abzufangen.

  • Friends und Klemmkeilen:

Sind mobile Sicherungsmittel welche speziell in Rissen oder Felsstrukturen verwendet werden. Damit kann man sich in einer Wand ohne fixe Bohrhacken sichern.

  • Seilgeländer:

Ist eine temporär installierte, seilbasierte Sicherungskette, die in steilem, unwegsamem oder absturzgefährdetem Gelände errichtet wird. Es dient primär dem Schutz der Einsatzkräfte und des Patienten beim Begehen von exponierten Passagen (z. B. schmale Pfade, rutschige Hänge, felsige Übergänge oder Geländekanten)

  • Zweier- und Dreierseilschaften:

Der Begriff Seilschaft stammt ursprünglich aus dem klassischen Alpinismus und bezeichnet eine Gruppe von Bergsteiger:innen, die sich aus Sicherheitsgründen mit einem Kletterseil miteinander verbinden. Eine Seilschaft beim Klettern kann aus zwei oder drei Personen auf einem Seil bestehen.

  • Bau einer losen Rolle

Eine lose Rolle (oft auch als Teil eines Flaschenzugs oder Mannschaftszugs bezeichnet) ist eine grundlegende Technik zur Kraftersparnis beim Heben oder Ziehen von Lasten oder Personen. Sie besteht aus einem Karabiner (oder Rolle) und einem Klemmelemet welches das Seil fixiert. Zieht man nun am Seil, wandert die Klemme (und damit die lose Rolle) in Richtung des Fixpunktes und zieht das Lastseil mit nach oben.

  • Genusstouren

Nach einer erfolgreichen und lehrreichen Übung, dürfen auch Bergretter:innen ihrem Hobby nachgehen und mit den Kamerad:innen zum Vergnügen klettern.

  • „neue“ Petzl Pro Traxion

Damit bezeichnet man die im Jahr 2023 grundlegend überarbeitete Version der bewährten Hochleistungs-Umlenkrolle mit integrierter Rücklaufsperre der Firma Petzl. In der Bergrettung ist sie ein unverzichtbares Standardwerkzeug zum effizienten Aufbau von Flaschenzügen und zum Nachziehen schwerer Lasten.

  • Materialschlacht

Wird umgangssprachlich in der Bergrettung verwendet, wenn sehr viel Material für ein Unterfangen verwendet wird. Dabei wird das Material nicht verschlissen, jedoch muss es danach kontrolliert und gewartet werden.

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