Klaus M. Pollak (24.10.1961 – 12.11-2020)

Völlig unerwartet, kurz nach seinem 59. Geburtstag, ist Klaus Michael Pollak an plötzlichem Herzversagen verstorben. Vor 40 Jahren, am 1.12.1980, wurde er in die Ortsstelle Waidhofen an der Ybbs des Österreichischen Bergrettungsdienstes aufgenommen und er konnte in den späten 1980er Jahren als erster Landes-Öffentlichkeitsreferent ein modernes Presse- und Kommunikationsreferat in der Bergrettung NÖ/Wien aufbauen.

Klaus M. Pollak war nicht nur – wie auf seiner Parte steht – ein außergewöhnlicher Ehemann, er war eine durchaus außergewöhnliche Person. Sein Onkel hat ihn in frühen Jahren zum Bergsteigen „mitgenommen“ und der Onkel war auch sein erster Kletterpartner und Seilgefährte. Sein ihm innewohnender Altruismus ließ ihn schon zu Beginn seines Jus-Studiums der Bergrettung beitreten. Die „Juristerei“ schärfte wohl beides, seine scharfsinnige Logik und seine oft komplexe und konstruktive Ausdrucksweise und Sprache. Gerne schlüpfte er in die Rolle des „Advocatus Diaboli“ um seine Gesprächspartner herauszufordern und die gesamte Breite eines Themas ausloten zu können. Geschickt konnte er dabei auch zwischen Hochsprache und hartem Mostviertlerisch umschalten und führte damit auch manche Gespräche zurück zum Punkt und zu Entscheidungen.

Seine rhetorischen und organisatorischen Fähigkeiten setzte der junge Bergretter bereits Mitte der 1980er Jahre ein, um das Erscheinungsbild der Bergrettung zu modernisieren. Die Werte der Bergretter der Nachkriegsgeneration in Ehren haltend, sollten durch moderne Ausdrucksformen und Managementmethoden im Bergrettungsdienst abgelöst werden. Er nannte es „weg vom Knickerbocker- und Luis Trenker-Image“. Paradox dazu entwickelte Klaus für sich ein Markenzeichen, seine Pfeife, ob rauchend oder nicht rauchend, sie war zwischen seinen Zähnen eingeklemmt und er musste sie auch beim Sprechen nicht aus dem Mund nehmen. Ähnlich konträr war es, als es um das Thema Sichtbarmachung der Bergretter im Einsatz bzw. in der Öffentlichkeit ging. Klaus, der Uniformen eigentlich hasste, trat dafür ein, einheitliche Funktionskleidung in rot-schwarz jenseits von Filz und Loden landesweit anzuschaffen.

Der „Marke Bergrettung“ einen Markt-Wert zu geben war Klaus ein besonderes Anliegen. Die zugegeben etwas sperrige offizielle Bezeichnung des Vereins „Österreichischer Bergrettungsdienst“ von „Die Bergrettung“ abzugrenzen, gelang ihm durch die Schaffung eines modernen Schriftzuges, der heute ein wesentlicher Bestandteil des Corporate Designs (CD) und der Corporate Identity (CI) der „Bergrettung“ ist. Zur Marke gehörte auch Vereinheitlichung unseres Abzeichens, dass zig-fach mutiert „vogelwild“ Verwendung fand. Mittlerweile haben wir es geschafft sogar österreichweit eine auch markengeschützte copyright© Version unseres Logos zu haben und zu verwenden. Als Kontrapunkt dazu wurde das „Grüne Kreuz mit Edelweiss“ so weit verfremdet, um für spezielle Zwecke ein modernes Zeichen mit assoziativem Charakter und einem hohen Wiedererkennungswert zu schaffen. Klaus nutze dieses „entartete“ Logo für die von ihm geschaffene Zeitschrift „Bergrettung Aktuell“, die von 1995 bis 2002 erschien und deren „Chefredakteur“ er war. Für sich selbst schuf er seine Marke, das Akronym KMP©. Ob Briepapier oder Unfallmeldetafel, die – zwar wunderschöne, aber nicht zeitgemäße – Gotik-Frakturschrift wurde durch moderne Fonts abgelöst, auch deshalb, weil viele junge Menschen Schwierigkeiten beim Lesen dieser Schrift hatten.

Die systematische Beschaffung von Ressourcen, besonders Spendengeldern, also „Fundraising“, war Klaus ebenfalls ein großes Anliegen. Eine selbstbewusste Abkehr vom „Betteln“ um Spenden hin zur objektiven Darstellung der Leistung und Bedeutung der Bergrettung für die Gesellschaft und dem Alpintourismus war erklärtes Ziel. Oft rechnete er Spendern vor, dass mit 100 Schilling Spende fünf Meter Seil beschafft werden können. Dabei kam es auch zur Annäherung an die Politik und Politiker. Sein Motto lautete „Kein wanderbares Österreich ohne Bergrettung“ als Antwort auf den Werbeslogan der damaligen Zeit „Wanderbares Österreich“. Um von Almosengeschenken zu vertraglich abgesicherten Subventionen zu kommen und umgekehrt im Rettungsgesetz auch eine Verpflichtung eingehen zu können, galt es die Bergrettung auch öffentlich zu präsentieren.

Einer der Höhepunkte war wohl das Fest der Bergrettung im Landhaushof in St. Pölten im September 1999, wobei der Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll publikumswirksam vor mehr als 1000 Besuchern aus seinem Büro abgeseilt wurde. Natürlich war Rundfunk und Fernsehen bei dieser Aktion dabei. Die Medien systematisch mit Unfall-Informationen und aktuellen relevanten alpinen Sicherheits-Themen zu bedienen wurde zur ständigen Aufgabe. Zu einer Benefizaktion der Musikgruppe „Steirerbluat“ für die Bergrettung wurden genau eine Woche vor dem katastrophalen Unglück in Kaprun im November 2000 Film-Dreharbeiten am Kitzsteinhorn und am Magnetköpfl abgehalten. Die Präsentation der CD und des Videos fand 2001, passend zum Jahr des Ehrenamtes im Skigebiet Semmering in einer ganztägigen Präsentation mit Abendveranstaltung statt und kurz darauf in einer zweitägigen Großveranstaltung auf der Burg Kaprun, mit weit über 50 hochrangigen Ehrengästen und unzähligen Bergrettern aus ganz Österreich. Die Organisation und Moderation bei diesen Veranstaltungen durch Klaus waren zweifelsfrei auch für ihn selbst einer der Höhepunkte in seiner Karriere als Bergrettungs-Öffentlichkeitsreferent.
Eine der bedeutendsten Veranstaltung war wohl auch die Bergrettungswoche „Psyche & Berg“ im Oktober 2001, die er mit dem Landesleiter Dr. Ladenbauer mitorganisierte. Im Rahmen dieser Woche fand die erste NÖ-Landes-Katastrophen-Übung „Arnika“ statt, wobei es zu einem bedauerlichen San-Realeinsatz mit drei verletzten Feuerwehrkameraden kam. Für die Medienarbeit der Bergrettung war dies eine der größten Bewährungsproben bisher. Aus der Analyse dieser Übung entschloss sich das Land NÖ eine Katastrophen-Stabsausbildung für Behörden und Einsatzorganisationen ins Leben zu rufen, bei der sich Klaus Pollak mit seiner auf Seminarorganisation und Mediation spezialisierten Firma führend einbrachte.

Klaus hätte wohl abgelehnt, dass seine Verdienste um die Öffentlichkeitsarbeit der Bergrettung in dieser Form erwähnt und gewürdigt werden. Er hat es aber verdient, dass all dies, was er mit seinem starken Engagement geleistet hat, wenn auch lückenhaft, hier zusammengefasst dargestellt ist. Auf diesem Weg noch einen letztes großes DANKE und BERG HEIL!
dihk

Fotos: © ÖBRD