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Weiterbildungskurs Sommer Weichtalhaus 2023

20. Sep 2023 | Übung

Ich freue mich, wieder einmal ein paar Tage in der Natur zu sein, um mit gleichgesinnten Personen Neues zu erlernen und Gelerntes zu perfektionieren.

Eindrücke vom Weiterbildungskurs Sommer im Weichtalhaus 2023
von Michael Vonwald

Donnerstagmorgens Ende August ging es für einen Kameraden und mich, von Lilienfeld ausgehend, los in Richtung Weichtalhaus. Dort angekommen stießen wir auf einige bereits von anderen Kursen bekannte Gesichter und tauschten die ersten News aus. Lange blieb dafür nicht Zeit, denn dann trommelten uns die Lehrwarte Klaus und Michael auch schon zusammen. Guten Morgen! Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, mit zwei Seilen ausgestattet und in weniger als zehn Minuten waren wir schon am Weg in Richtung der Schönbrunner Stiege, um ins große Höllental zu kommen. Kurz. Knapp. Ausreichend.

Meine Gruppe durfte sich, begleitet von Michael, im Akademikersteig bewegen. Die Gruppe um Klaus war am Katzenkopf-Zimmer Steig unterwegs.

„Wie kommen wir in der Gruppe, ausgestattet mit nur zwei Seilen, den Steig hoch und zügig auch wieder herunter?“

Dies war die Übungsannahme für den ersten Tag. Das Gelände bietet sich wunderbar für solche Übungszwecke an. Eingebettet in die sehr beeindruckende Kulisse des großen Höllentales zeigt sich der Akademikersteig vom Gelände her sehr ansprechend und ist von der Schwierigkeit her auch für verhaltene Kletterer problemlos machbar. Und doch ist es so, dass die angewandten Methoden nicht nur quasi im Trockentraining beübt werden, sondern der Rahmen entsprechend real ist.

Abends folge das weitere Kennenlernen aller Kursteilnehmer, vorangegangen aber noch ein Vortrag von Klaus über „Risiken“.

Am nächsten Tag teilten wir uns für einen Stationsbetrieb hinter dem Weichtalhaus auf. Bei der ersten Station ging es um den Umgang mit der Trage bei Quergängen und beim Abseilen und bei der zweiten Station um Bergetechniken aus dem Klettersteig. Fehlende Armkraft, ein 50er Seil und ein Haufen unnötiges anderes Klumpert im Rucksack und schon war ich im Übungsklettersteig hinter dem Weichtalhaus, im Segment mit der Schwierigkeit F, eine gute Kundschaft, um ein am Seil unterstütztes Weitersteigen zu beüben. Ob in mir nun noch die große Leidenschaft für über „D“ bewertete Klettersteige aufkommt, bleibt fraglich.

Am Abend hatte Manfred, der vorherige Wirt vom Weichtalhaus, zur großen Geburtstagsfeier geladen und wir durften als Anhängsel einen netten, lauen Abend mit musikalischer Untermalung genießen. Manche kürzer – manche etwas länger.

Ich hatte es mir schon ausgerechnet, dass der Samstag wohl der intensivste Tag werden sollte. Erstens war ich am Vorabend bei denen dabei, die doch etwas länger der Musik gelauscht hatten und zweitens war für Samstag die Nachtübung angesagt. Dass der Tag so derart intensiv wurde, hatte ich nicht am Schirm…

In der großen Gruppe stiegen wir, ich mit der Trage bepackt, im großen Höllental den steilen Wandfußsteig in Richtung Preintalersteig auf. Keuch, schwitz. Warum mache ich das nochmal genau? Ach ja! Weitermachen. Die Trage wurde bis zum felsigen Einstieg des Steiges verbracht und dort zusammengebaut.

Übungsannahme: Verletzte Person, 3-4 Seillängen oberhalb, Person am Rücken aufnehmen und am Wandfuß in die Trage zur Abfahrt über die Schütt verbringen.

Voraustrupp losgeschickt – Seilgeländer aufgebaut – Person mit Bergedreieck am Rücken aufgenommen und über die Wand abgeseilt – planmäßig in die Trage eingebracht und abgefahren – knapp 3 Stunden – wie ich finde, eine sensationelle Zeit!

Der Plan war, den Nachmittag in Anbetracht der bestimmt fordernden Nachtübung, ruhiger anzugehen. Gerade als wir uns einen Kaffee bestellt hatten, unterbrach diesmal ein echter Einsatz in Reichenau unsere Pause. Ein Kamerad aus St. Aegyd und ich fuhren mit dem Einsatzleiter zur Unterstützung in die Zentrale Reichenau. Wenige Momente später war ich schon wieder mit der Trage am Rücken beim Aufstieg am Mariensteig. Nachdem der Einsatz abgewickelt war, fanden wir uns wieder auf der Terrasse beim Weichtalhaus ein. Jetzt aber Kaffee. Nix. Einsatz! Diesmal sind wir mit der ganzen Kursgruppe zum Rudolfssteig aufgebrochen. Eine junge Dame mit Ohnmachtsanfällen wurde von unserer Kursgruppe erstversorgt und vom Notarzthubschrauber aus dem Steig geflogen. Müde, aber stolz, als gut eingespielte Kursgruppe erfolgreich einen Einsatz abgewickelt zu haben, fanden wir uns wieder im Weichtalhaus zum Abendessen ein.

Es folgte das Highlight – die Nachtübung.

Eine Person ist in der Weichtalklamm in die letzte Leiter gestürzt, hängt mit einer schweren Beinverletzung in der Leiter fest und die Begleitperson befindet sich im Ausnahmezustand. Schon beim Aufstieg die Klamm hinauf nahmen wir wahr, dass der Abtransport eher kein Zuckerschlecken wird. Überwiegend schwieriges Gelände, gespickt mit großen Steinbrocken, Felsstufen und Hindernissen wie umgefallene Baumstämme und dergleichen. Die Dunkelheit bringt darüber hinaus ihren speziellen Reiz mit sich. Wir waren jedoch schon eine gut eingespielte Truppe und jeder kannte die Fähigkeiten des anderen. Auch wenn im Rahmen der Einsatzübung kein neuer Input vermittelt wurde, konnten wir viel Wichtiges von der Übung mitnehmen, wie z.B. Effizienz. In sensationeller Zeit konnten wir noch vor Mitternacht den Verletzten auffinden, bergen und durch das fordernde Gelände der Klamm bis zum Weichtalhaus abtransportieren. Niemand in der Gruppe musste mehr über die Anwendung der grundlegenden Techniken nachdenken und genau dies bildet die Basis dafür, den Fokus auf Effizienz legen zu können. Wertvolle Tipps konnten wir in der Abarbeitung direkt umsetzen und unsere Abläufe stark verbessern. Für mich der wertvolle Kern der Weiterbildung.

Fordernde vier Tage gehen zu Ende. Müde, aber glücklich, fahren wir nach Hause. Es erfüllt mich mit Stolz, Teil einer Organisation zu sein, die voller Menschen ist, die ihre Freizeit dafür hergeben, um sich selbst und andere am Ball zu halten und um in Not geratenen natur- und bergverbundenen Menschen zu helfen, wenn diese Hilfe dringend brauchen.

An dieser Stelle möchte ich aufrichtig, ausdrücklich und vor allem ehrlich meinen Dank den Lehrwarten gegenüber aussprechen! ICH habe meine Freizeit dafür aufgewendet um MICH weiterzubilden – doch die Lehrwarte haben DEREN Freizeit dafür aufgewendet um MIR überhaupt die Möglichkeit für eine Weiterentwicklung zu bieten. Dies ist Engagement auf höchster Ebene. Vielen Dank dafür!

Fotos: © ÖBRD

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