Vorsicht: Angespannte Tage in Sicht

Vorsicht: Angespannte Tage in Sicht

Lange mussten wir in Niederösterreich auf den ersten Schnee in dieser Saison warten – jetzt ist er endlich da!
In den letzten Tagen kam es zu ausgiebigen Schneefällen in Niederösterreich. Der Schneefall war aber oft begleitet von starken Winden und damit Verfrachtungen.
Die „Profis“ unter euch wissen bestimmt wer der Baumeister der Lawinen ist -> Richtig! Der Wind ist es.
Daher ist auch mit einer durchaus angespannten Situation aufgrund von Triebschnee zu rechnen.

Auch wir als BergretterInnen sind in unserer Freizeit sehr gerne in den Bergen unterwegs. Aufgrund der ersten richtigen Möglichkeit unsere Skitourenausrüstung auszupacken wird es auch viele von uns in die Berge ziehen. Dennoch wissen wir wie kritisch wir dieses Wochenende die Hänge betrachten müssen, das eine defensive Tourenplanung angesagt ist und dass wir lieber umdrehen und gesund nach Hause kommen als zu viel Risiko für eine Pulverabfahrt in Kauf nehmen.

Viele von euch wollen endlich die neue, frisch gewachselte Skitourenausrüstung auspacken. Daher wollen wir einen ersten Appell in diesem noch jungen Winter an euch richten:
1) Lawinenlagebericht lesen www.lawinenwarndienst-niederoesterreich.at
2) Tourenplanung defensiv angehen
3) Notfallausrüstung mitnehmen (LVS -> am Körper und eingeschaltet!, Sonde, Schaufel und nach Möglichleit Lawinenairbag-Rucksack
4) Hänge über 35 Grad Steilheit meiden
5) Auf Gefahrenzeichen der Schneedecke achten
6) Nicht alleine auf Tour gehen
7) Und das Wichtigste: gesund nach Hause kommen.

Wir alle freuen uns auf das Wochenende im Schnee. Dennoch wollen wir nicht bereits jetzt erste Lawinenopfer beklagen. Daher bitten wir euch unsere Tipps zu beachten!

Schöne Tage und stay safe 🤙🏻

Fotos: © ÖBRD
Ein Nachruf auf unseren Kameraden Klaus M. Pollak

Ein Nachruf auf unseren Kameraden Klaus M. Pollak

Klaus M. Pollak (24.10.1961 – 12.11-2020)

Völlig unerwartet, kurz nach seinem 59. Geburtstag, ist Klaus Michael Pollak an plötzlichem Herzversagen verstorben. Vor 40 Jahren, am 1.12.1980, wurde er in die Ortsstelle Waidhofen an der Ybbs des Österreichischen Bergrettungsdienstes aufgenommen und er konnte in den späten 1980er Jahren als erster Landes-Öffentlichkeitsreferent ein modernes Presse- und Kommunikationsreferat in der Bergrettung NÖ/Wien aufbauen.

Klaus M. Pollak war nicht nur – wie auf seiner Parte steht – ein außergewöhnlicher Ehemann, er war eine durchaus außergewöhnliche Person. Sein Onkel hat ihn in frühen Jahren zum Bergsteigen „mitgenommen“ und der Onkel war auch sein erster Kletterpartner und Seilgefährte. Sein ihm innewohnender Altruismus ließ ihn schon zu Beginn seines Jus-Studiums der Bergrettung beitreten. Die „Juristerei“ schärfte wohl beides, seine scharfsinnige Logik und seine oft komplexe und konstruktive Ausdrucksweise und Sprache. Gerne schlüpfte er in die Rolle des „Advocatus Diaboli“ um seine Gesprächspartner herauszufordern und die gesamte Breite eines Themas ausloten zu können. Geschickt konnte er dabei auch zwischen Hochsprache und hartem Mostviertlerisch umschalten und führte damit auch manche Gespräche zurück zum Punkt und zu Entscheidungen.

Seine rhetorischen und organisatorischen Fähigkeiten setzte der junge Bergretter bereits Mitte der 1980er Jahre ein, um das Erscheinungsbild der Bergrettung zu modernisieren. Die Werte der Bergretter der Nachkriegsgeneration in Ehren haltend, sollten durch moderne Ausdrucksformen und Managementmethoden im Bergrettungsdienst abgelöst werden. Er nannte es „weg vom Knickerbocker- und Luis Trenker-Image“. Paradox dazu entwickelte Klaus für sich ein Markenzeichen, seine Pfeife, ob rauchend oder nicht rauchend, sie war zwischen seinen Zähnen eingeklemmt und er musste sie auch beim Sprechen nicht aus dem Mund nehmen. Ähnlich konträr war es, als es um das Thema Sichtbarmachung der Bergretter im Einsatz bzw. in der Öffentlichkeit ging. Klaus, der Uniformen eigentlich hasste, trat dafür ein, einheitliche Funktionskleidung in rot-schwarz jenseits von Filz und Loden landesweit anzuschaffen.

Der „Marke Bergrettung“ einen Markt-Wert zu geben war Klaus ein besonderes Anliegen. Die zugegeben etwas sperrige offizielle Bezeichnung des Vereins „Österreichischer Bergrettungsdienst“ von „Die Bergrettung“ abzugrenzen, gelang ihm durch die Schaffung eines modernen Schriftzuges, der heute ein wesentlicher Bestandteil des Corporate Designs (CD) und der Corporate Identity (CI) der „Bergrettung“ ist. Zur Marke gehörte auch Vereinheitlichung unseres Abzeichens, dass zig-fach mutiert „vogelwild“ Verwendung fand. Mittlerweile haben wir es geschafft sogar österreichweit eine auch markengeschützte copyright© Version unseres Logos zu haben und zu verwenden. Als Kontrapunkt dazu wurde das „Grüne Kreuz mit Edelweiss“ so weit verfremdet, um für spezielle Zwecke ein modernes Zeichen mit assoziativem Charakter und einem hohen Wiedererkennungswert zu schaffen. Klaus nutze dieses „entartete“ Logo für die von ihm geschaffene Zeitschrift „Bergrettung Aktuell“, die von 1995 bis 2002 erschien und deren „Chefredakteur“ er war. Für sich selbst schuf er seine Marke, das Akronym KMP©. Ob Briepapier oder Unfallmeldetafel, die – zwar wunderschöne, aber nicht zeitgemäße – Gotik-Frakturschrift wurde durch moderne Fonts abgelöst, auch deshalb, weil viele junge Menschen Schwierigkeiten beim Lesen dieser Schrift hatten.

Die systematische Beschaffung von Ressourcen, besonders Spendengeldern, also „Fundraising“, war Klaus ebenfalls ein großes Anliegen. Eine selbstbewusste Abkehr vom „Betteln“ um Spenden hin zur objektiven Darstellung der Leistung und Bedeutung der Bergrettung für die Gesellschaft und dem Alpintourismus war erklärtes Ziel. Oft rechnete er Spendern vor, dass mit 100 Schilling Spende fünf Meter Seil beschafft werden können. Dabei kam es auch zur Annäherung an die Politik und Politiker. Sein Motto lautete „Kein wanderbares Österreich ohne Bergrettung“ als Antwort auf den Werbeslogan der damaligen Zeit „Wanderbares Österreich“. Um von Almosengeschenken zu vertraglich abgesicherten Subventionen zu kommen und umgekehrt im Rettungsgesetz auch eine Verpflichtung eingehen zu können, galt es die Bergrettung auch öffentlich zu präsentieren.

Einer der Höhepunkte war wohl das Fest der Bergrettung im Landhaushof in St. Pölten im September 1999, wobei der Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll publikumswirksam vor mehr als 1000 Besuchern aus seinem Büro abgeseilt wurde. Natürlich war Rundfunk und Fernsehen bei dieser Aktion dabei. Die Medien systematisch mit Unfall-Informationen und aktuellen relevanten alpinen Sicherheits-Themen zu bedienen wurde zur ständigen Aufgabe. Zu einer Benefizaktion der Musikgruppe „Steirerbluat“ für die Bergrettung wurden genau eine Woche vor dem katastrophalen Unglück in Kaprun im November 2000 Film-Dreharbeiten am Kitzsteinhorn und am Magnetköpfl abgehalten. Die Präsentation der CD und des Videos fand 2001, passend zum Jahr des Ehrenamtes im Skigebiet Semmering in einer ganztägigen Präsentation mit Abendveranstaltung statt und kurz darauf in einer zweitägigen Großveranstaltung auf der Burg Kaprun, mit weit über 50 hochrangigen Ehrengästen und unzähligen Bergrettern aus ganz Österreich. Die Organisation und Moderation bei diesen Veranstaltungen durch Klaus waren zweifelsfrei auch für ihn selbst einer der Höhepunkte in seiner Karriere als Bergrettungs-Öffentlichkeitsreferent.
Eine der bedeutendsten Veranstaltung war wohl auch die Bergrettungswoche „Psyche & Berg“ im Oktober 2001, die er mit dem Landesleiter Dr. Ladenbauer mitorganisierte. Im Rahmen dieser Woche fand die erste NÖ-Landes-Katastrophen-Übung „Arnika“ statt, wobei es zu einem bedauerlichen San-Realeinsatz mit drei verletzten Feuerwehrkameraden kam. Für die Medienarbeit der Bergrettung war dies eine der größten Bewährungsproben bisher. Aus der Analyse dieser Übung entschloss sich das Land NÖ eine Katastrophen-Stabsausbildung für Behörden und Einsatzorganisationen ins Leben zu rufen, bei der sich Klaus Pollak mit seiner auf Seminarorganisation und Mediation spezialisierten Firma führend einbrachte.

Klaus hätte wohl abgelehnt, dass seine Verdienste um die Öffentlichkeitsarbeit der Bergrettung in dieser Form erwähnt und gewürdigt werden. Er hat es aber verdient, dass all dies, was er mit seinem starken Engagement geleistet hat, wenn auch lückenhaft, hier zusammengefasst dargestellt ist. Auf diesem Weg noch einen letztes großes DANKE und BERG HEIL!
dihk

Fotos: © ÖBRD
Vorbereitung auf eine anspruchsvolle Wintersaison 2020/21

Vorbereitung auf eine anspruchsvolle Wintersaison 2020/21

Die Bergrettung Niederösterreich/Wien bereitet sich derzeit auf eine anspruchsvolle Wintersaison in den Bergen Niederösterreichs vor. Aufgrund der Covid-19 Pandemie gehen die Einsatzkräfte von einem erhöhten Einsatzaufkommen in den Bergen, aber vor allem in den Skigebieten Niederösterreichs aus. Im letzten Jahr wurden insgesamt 432 Pisteneinsätze für die BergretterInnen in Niederösterreich verzeichnet. Der Schwerpunkt der Einsatzorte waren dabei die Pisten am Hochkar sowie am Semmering.

„Ein Großteil der Pistenrettung in den niederösterreichischen Skigebieten wird durch ehrenamtliche Bergretterinnen und Bergretter betreut, weshalb wir uns besonders intensiv auf die heurige Saison vorbereiten.“ so Landesleiter Dr. Matthias Cernusca. In Zusammenarbeit mit den Landesmedizinern der Bergrettung, sowie weiteren internen und externen Spezialisten wurde ein umfangreiches Konzept für die Wintersaison erarbeitet, um die Gefahr einer Infektion in den eigenen Reihen auf ein Minimum zu beschränken. Das Ziel ist es weiterhin alle Einsätze schnell und schonend für die Patienten abwickeln zu können und dabei auf die Sicherheit der eigenen Einsatzkräfte zu achten.

Durch die besondere Situation im heurigen Winter ergibt sich ein erheblicher Bedarf an Schutzausrüstung, wie zum Beispiel FFP2-Masken und chirurgischen MNS-Masken. Die Anschaffung dieser speziellen Schutzausrüstung stellt die Bergrettung Niederösterreich/Wien auch vor finanzielle Herausforderungen. AaronClean, ein Unternehmen im Bereich des Gesundheitswesens aus Leobersdorf, spendete der Bergrettung Niederösterreich/Wien in Hinblick auf die herausfordernde Wintersaison 5.000 Stück FFP2 Masken, um die Bergretterinnen und Bergretter bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit zu unterstützen und ihre Gesundheit bestmöglich zu schützen.

„Es freut uns sehr, dass niederösterreichische Unternehmen wie AaronClean die Bergrettung bei der ehrenamtlichen Arbeit tatkräftigt unterstützen.“ so Landesgeschäftsführer Lukas Turk. Nur durch finanzielle Spenden der Bevölkerung und Unterstützung von Unternehmen sowie dem Land Niederösterreich lässt sich das professionelle Rettungswesen in den Bergen Niederösterreichs aufrechterhalten. Die Bergrettung Niederösterreich/Wien sagt vielen Dank!

Fotos: © ÖBRD
Unser Jahresbericht – demnächst bei all unseren Förderern!

Unser Jahresbericht – demnächst bei all unseren Förderern!

Auch heuer erscheint wieder Ende November der Jahresbericht der Bergrettung Niederösterreich /Wien in gewohnter Ausführung mit Mutationen für die regionalen Gebiete NÖ West, Mitte und Süd sowie Wien. Das Thema Covid-19 ist auch in der Bergrettung aufgeschlagen und beeinflusst das Berichtsgeschehen.
Spannende Berichte und Geschichten aus dem Einsatz- und Ausbildungsgeschehen und über unsere Spezialgruppe Canyoning finden sich genau so wie Beiträge zum Katastrophenschutz-management, 125 Jahre Bergrettung, das Vermisstensuchsystem RECCO und zur Alpinmedizin. Weiters gibt der Berufsfotograph und Bergretter Georg Krewenka Tipps „Wie ein WOW-Bild entsteht“.
Wie immer nehmen auch die Berichte aus den einzelnen Ortsstellen breiten Raum ein. Dieses gedruckte Informationsheft hat jahrelange Tradition und wird von den Förderern sehr geschätzt. In den Berichten angeführte Internet-Links leiten auch zu den modernen sozialen Medien über, bei denen noch viel mehr und tagesaktuelle Berichte einsehbar werden.
Natürlich ist dem Jahresbericht auch die begehrte Förderplakette für 2021 beigefügt und mit dem Zahlschein für den Förder-Mitgliedsbeitrag erwirbt bzw. verlängert der Förderer den Bergekosten-Versicherungsschutz für sich und seine Familie.

Viel Freude beim Lesen!

Fotos: © ÖBRD
Regierung, Notruf und Bergrettung „in ständiger Abstimmung“

Regierung, Notruf und Bergrettung „in ständiger Abstimmung“

Landesrat Eichtinger, Notruf NÖ Chef Chwojka und Bergrettung Landesleiter Cernusca bei der Abstimmung: Gemeinsame Versorgung bei Notfällen am Berg bedeuten bis zu zwanzig Alarmierungen pro Woche. Eichtinger: Heuer bereits über 50 Bergrettungseinsätze im Juni und 22 im Juli fordern die Einsatzkräfte. Die Zusammenarbeit aller beteiligten Partner funktioniert.

Die Bewegung und Betätigung im Freien und in unseren schönen Bergen ist ein optimaler Ausgleich für die derzeit fordernde Zeit für uns alle. „Aber es gibt auch Risiken die, wenn sie unterschätzt werden, zu einem tragischen Ende einer Wanderung, Mountainbike- oder Klettertour führen können. In diesen Fällen stehen mehr als 1.300 Mitglieder der Bergrettung bereit zu helfen.“ so NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Martin Eichtinger. Der Alpinnotruf 140 wird von speziell geschulten Expertinnen und Experten vom Notruf NÖ entgegengenommen, die daraus resultierende Alarmierung der 30 Bergrettungs-Ortsstellen in NÖ erfolgt danach rasch, über moderne Kommunikationsmittel. „Die gute Zusammenarbeit zwischen Notruf NÖ und der Bergrettung bestätigt sich bei jedem Einsatz“, so Eichtinger.

Eine der größten Herausforderungen bei einem Notruf aus alpinem Gelände ist die korrekte Definition des Notfallorts. Notruf NÖ setzt hier alle verfügbaren technischen Hilfsmitteln ein, um die Anrufer bestmöglich unterstützen zu können. „Die meisten Smartphones übermitteln uns schon beim Wählen des Notrufs 140 den Standort, eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung der österreichweiten Notruf App ‚Rettung‘, welche zusätzliche Funktionen für alpine Notlagen enthält und diese Daten in einem Notfall direkt an die Notrufleitstelle übermittelt. Das beschleunigt den Einsatz um ein Vielfaches,“ erklärt Notruf NÖ Geschäftsführer Christof Constantin Chwojka. „Natürlich können wir aber auch mit zumindest der Angabe der GPS Koordinaten den Einsatzort sehr genau definieren.“ so Chwojka.

Einsatzzahlen in Zeiten von Covid-19

427 mal war die Bergrettung im heurigen Jahr im Einsatz. Nach den coronabedingten Einschränkungen, verliefen zwar der März und der April relativ ruhig, es waren jedoch auch in diesem Zeitraum 38 Einsätze zu verzeichnen. Neben Skipisteneinsätzen sind es vor allem Stürze auf Wanderwegen oder Steigen, aber auch das Wetter, das ein Eingreifen der Bergrettung NÖ/W erforderlich machte. „Immer häufiger werden die Gefahren in den Bergen unterschätzt oder das eigene Vermögen überschätzt. Auch beim Bergwetter wurde sich in den letzten Monaten immer wieder verkalkuliert. Die Folge: Auch bei Schlechtwetter rückt die Bergrettung immer öfter aus,“ Landesleiter der Bergrettung NÖ/W Matthias Cernusca.

Die Bergrettung rechnet in näherer Zukunft mit einem erheblichen Anstieg an Einsätzen. Grund dafür sind die wieder in Mode gekommene Sommerfrische und die vermehrten Heimaturlaube aufgrund von Covid-19. „Im heurigen Jahr stieg die Anzahl der Unverletztenrettungen im Vergleich zum Vorjahr – um fast zehn Prozent – auf rund ein Drittel aller Einsätze,“ Landesleiter der Bergrettung NÖ/W Matthias Cernusca.
„Wenn ich seit längerem wieder eine Tour in den Bergen plane, bedeutet das, dass ich mir wieder mehr Gedanken über meine Vorbereitung machen muss: Bin ich bereit für die Länge der Tour, über die Wetterlage informiert und für das Gelände entsprechend trainiert und ausgerüstet,“ so Cernusca.

Fotos: © ÖBRD