Verantwortungsvoll am Berg

Verantwortungsvoll am Berg

Nachdem Lockerungen im Zusammenhang mit COVID-19 Maßnahmen für das öffentliche Leben und den Sport in Kraft treten, geht auch der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) von seinen bisherigen Appellen ab und setzt auf die Eigenverantwortung der Bergsportler und Bergbegeisterten.

In Zusammenarbeit mit allen Landesorganisationen hat der Österreichische Bergrettungsdienst Empfehlungen für drei Bereiche ausgearbeitet. Erstens soll bei der Tourenplanung auf die längere Aktivitätenpause Bedacht genommen werden und alpine Unternehmungen eher moderat und nicht an der Leistungsgrenze angelegt werden. Zum Zweiten gelten auch am Berg die gleichen Hygiene- und Abstandsregeln wie im gesamten Breitensport. Je höher die Atemfrequenz und die Windgeschwindigkeit, desto größer der Abstand zueinander. Und drittens wird empfohlen, nur bei vollständiger Gesundheit Outdooraktivitäten zu unternehmen.

Verantwortungsvoll am Berg 1

 Einsätze reduziert aber existent / bundesweite Koordinierungsgruppe

Nachdem die Sonderlage gesamt Österreich betraf, standen und stehen alle Bergretterinnen und Bergretter und insbesondere Einsatzleiter und Landesorganisationen vor völlig neuen Herausforderungen. Die Einsatzzahlen sind zwar zurückgegangen, der Schutz jedes einzelnen Bergretters und optimale Versorgung der Verunfallten ist aber bei jedem einzelnen Einsatz das oberste Gebot.

So waren österreichweit neue Strategien und Taktiken im Umgang mit dem Corona Virus zu entwickeln, schulen und bei Einsätzen in Anwendung zu bringen. Eine eigens eingerichtete „bundesweite COVID 19 Koordinierungsgruppe“ mit Experten aus allen Landesorganisationen hat hier, unter Zuhilfenahme von online Kommunikationsmethoden, gemeinsam Themen abgearbeitet und zahlreiche Handlungsempfehlungen in den Bereichen Medizin und Einsatztaktik für die einzelnen Landesorganisationen erstellt.

Eine erste Analyse der letzten Wochen Zeit, dass alle 7 Landesorganisationen – in Relation zur Größe – mit einem sehr ähnlichen Einsatzaufkommen konfrontiert sind.

SKKM (Staatliches Krisen- und Katastrophenschutzmanagement) und ÖBRD

Der Österreichische Bergrettungsdienst ist Teil der SKKM Gruppe und als kritische Infrastruktur eingestuft. So gab es in den letzten Wochen neben dem internen Austausch auch eine rege Kommunikation mit den zuständigen Ministerien um die Sonderlage gesamtheitlich betrachten und beurteilen zu können. Eine besondere Sorgfalt ist nun auch im Monitoring der Auswirkungen der aktuellen Lockerungen an den Tag zu legen. Daher ist die bundesweite COVID 19 Koordinierungsgruppe auch weiterhin eingesetzt, wenn auch im reduzierten Modus.

Wir wünschen unfallfreie Bergerlebnisse!

Weihnachtswünsche 2019

Weihnachtswünsche 2019

Die Kameraden der Bergrettung NÖ/W wünschen frohe Weihnachten,
ruhige und besinnliche Feiertage sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Prosit Neujahr & Berg heil im Jahr 2020!

Josef Lederhaas (1956 – 2019)

Josef Lederhaas (1956 – 2019)

Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.

 

In tiefer Trauer gibt der Bundesverband des Österreichischen Bergrettungsdienst bekannt, dass Josef Lederhaas völlig unerwartet aus dem Kreis seiner Liebsten geschieden ist.

Als langjähriger Bundesverbandsreferent für Lawinen- und Suchhunde, Rechnungsprüfer der Landesleitung Steiermark und Ortsstelle Graz hat Seppolo wie kaum ein anderer über die Ortsstellen-, Bundesland- und Staatsgrenzen hinaus gewirkt und immer das Gemeinsame und Verbindende in den Mittelpunkt gestellt.

Seppolo hinterlässt eine tiefe Lücke im Österreichischen Bergrettungsdienst.

Unsere Gedanken sind bei ihm, seiner Familie, Freunden und Wegbegleitern.

Beileidsbekundungen können an folgende Adresse gesendet werden: landesleitung@bergrettung-stmk.at

 

The news of Josef Lederhaas unexpected death greatly saddened the Austrian Mountain Rescue Service.

Josef will always be remembered as one who’s goal was to jointly work together regardless of any geographical boarders to those who had the pleasure of knowing him.

His family and friends are in our thoughts and prayers.

Expressions of condolences can be sent to: landesleitung@bergrettung-stmk.at

3. NÖ Freiwilligenmesse

3. NÖ Freiwilligenmesse

Nach den großen Erfolgen der Vorjahre wird heuer zum dritten Mal in Folge die NÖ Freiwilligenmesse stattfinden. Die Messe steht für ein solidarisches und engagiertes Niederösterreich und ist für alle gedacht, die sich für die Mithilfe bei einer Freiwilligenorganisation – wie eben z.B. bei der Bergrettung – interessieren.

Rund 50 ausstellende Organisationen aus den wichtigsten Gesellschaftsbereichen werden sich und ihr Angebot an Möglichkeiten zum freiwilligen Engagement präsentieren. Ein spannendes Rahmenprogramm bietet Wissenswertes rund um das Thema Freiwilligenarbeit, aber auch Vorführungen von Chören des NÖ Chorverbandes oder den Radio NÖ Frühschoppen und vieles mehr. Auch heuer wieder präsentiert sich die Bergrettung bei diesem Höhepunkt des Tages der offenen Tür.

Abgehalten wird sie wieder im Landhaus St. Pölten, am Sonntag dem 10. November 2019 von 10 – 18 Uhr, der Eintritt ist frei!

https://www.freiwilligenmesse.at/

In memoriam – Kurt Ring (1933-1969)

In memoriam – Kurt Ring (1933-1969)

Vor 50 Jahren am 10.11.1969 ereignete sich eine der schwersten österreichischen Bergtragödien.

Für fünf der besten Bergsteiger Österreichs verlor sich die Spur vom oder zum Gipfel des 7661 m hohen Dhaulagiri IV im Himalaya. Mit dabei der technische Leiter der Österreichischen Bergrettung – Ortsstelle St.Pölten, Kurt Ring. Bis zum heutigen Tag gelten sie als verschollen im ewigen Eis.
Ein Anlass sich zurückzuerinnern!

In memoriam – Kurt Ring (1933-1969) 2
In memoriam – Kurt Ring (1933-1969) 3
In memoriam – Kurt Ring (1933-1969) 4
Bericht von Herwig Handler:

Wie ein Keulenschlag hatte uns die Nachricht, dass unsere Freunde am Dhaulagiri IV verschollen sind, getroffen. Die Schwierigkeiten waren überwunden, der Gipfel in Griffweite. Was war geschehen? Fragen über Fragen und keine Antworten.

Die Schwierigkeit und Ausgesetztheit des Weges über den Barriergipfel machte es den verbliebenen Freunden im Basislager unmöglich, nach oben zu gehen. Einzig Leo Graf startete einen Versuch, doch der mit ihm gehende Sherpa verweigerte den weiteren Aufstieg oben am First zwischen Himmel und Erde. Geschlagen und verzweifelt versuchten die Freunde mit Hubschrauber und letztendlich mit einem Militärdüsenjet zumindest Gewissheit zu erlangen, was passiert ist. Doch nichts!

Ing. Oskar Krammer, der mit im Düsenjet mitgeflogen war, berichtet:„Der Schnee war unberührt, weit hinten die leuchtenden Berge Tibets, keine Spuren, kein Abbruch, kein Lager, keine Zelte, kein Farbfleck, der Berg hatte unsere Freunde verschluckt.“

Für die Zurückgebliebenen war es damals eine dramatische Zeit, fünf Familien verloren ihre Söhne, ihre Partner, und wir verloren unsere Freunde, mit denen wir so viele Stunden und Tage am Berg, im Eis und im schweren Fels im Sinne des Wortes verbunden waren.

Wie war Kurt? Fröhlich, aufgeschlossen, immer zum Spaßen aufgelegt, ab und zu ein bisschen ärgerlich, aber vor allem mit Energie und Ehrgeiz ausgestattet. Kurt hatte überdies einen ausgeprägten, talentierten Bewegungsdrang und war trotz seines Könnens und seiner Leistungen bescheiden geblieben.

Mit ihm zu klettern war eine reine Freude. Wie eine Eichkatze huschte er die schwierigsten Routen nach oben, nahm sich kaum Zeit, die Haken richtig zu setzen, und oft kamen diese von selbst, lustig am Seil klingend, einem beim Nachstieg entgegen. „Ich hab’ sie ja nur auf Druck gebraucht, Zug haben sie ja nicht aufnehmen müssen“, war oft sein lakonischer Kommentar dazu.

Die Liebe zu den Bergen aber teilte und pflegte Kurt mit seiner geliebten Ingrid. Die Freundschaft zu ihr, die schon im Kindergarten begann, wurde Jahre später mit dem Bund der Ehe besiegelt. Viele schwierigste Bergfahrten meisterten die Beiden und viele darunter waren Routen, die zum ersten Mal von einer Frau begangen wurden.
Wegen Kurts Bindung zu Ingrid kam es dann oft dazu, dass wir als Dreierseilschaft unterwegs waren. Die Rings mit dem Franzl (DI Architekt Lindner) oder mit mir. Oder wir waren eben als zwei Zweierseilschaften unterwegs. Und wenn wir oft im Zelt, im Biwak zusammen saßen, redeten wir oft über vergangene Erlebnisse und unsere neuen Ziele. Franz und mir war es schon vergönnt gewesen in die Berge der Welt hinauszuziehen und als erste Menschen auf hohen Gipfeln zu stehen. Kurt erhielt die Chance mit der Expedition zum Dhaulagiri IV zu gehen und wir haben uns gemeinsam mit ihm darüber gefreut.
Wenn ich oben am Tirolerkogel bei dem nach allen Himmelsrichtungen und zum Himmel ausgerichtetem Kreuz stehe (errichtet von der Hochgebirgsgruppe ÖAV Sektion St.Pölten, deren Leiter Kurt war, und dem Österreichischen Alpenklub unter Einbindung der St. Pöltner Alpenvereinsjugend), dreht sich das Rad der Zeit zurück. Auf einmal sitzen wir wieder zusammen in den langen Nächte auf unserer Bergrettungshütte. Kurt war unser technischer Leiter, auch beim Pläneschmieden und Kartenspiel. Die Tage im Mont-Blanc-Gebiet, die Biwaks am Walkerpfeiler mit dem gewaltigen Felssturz und in der Nordwand der Plan de Aiguille unter dem mächtigen Übergang vom Felspfeiler zur Eiswand sind wieder vor Augen.
Ja, das Biwak in der Aiguille Nordwand war etwas Besonderes und sicher das Schönste. Kurt, Ingrid, Franz und ich waren den unteren Felspfeiler, Fels bis zum IV. Schwierigkeitsgrad, seilfrei hinaufgestürmt. Wir sahen uns schon auf dem Gipfel, doch der Übergang zum Hängegletscher war eine ca. 40m hohe zum teil überhängende Eiswand. Ein abgespaltener Serac auf halber Höhe schien einen Zugang zu ermöglichen. Aber an der oberen leicht überhängenden Lippe kam das Aus: Zu weich war der überlagerte Firn und bot keine Möglichkeit eine Verankerung zu setzen. Sollte hier die Tour zu Ende sein?
In memoriam – Kurt Ring (1933-1969) 5
In memoriam – Kurt Ring (1933-1969) 6
In memoriam – Kurt Ring (1933-1969) 7
In memoriam – Kurt Ring (1933-1969) 8
Lange studierten wir den Abbruch und entdeckten links, nur über eine heikleQuerung erreichbar einen senkrechten leicht überhängenden Eiskamin aus blaugrün spiegelglattem kaltem Eis. Kurt als Seilerster und ich stiegen durch ihn hinauf und setzten ein Fixseil für den morgigen Tag, während Ingrid und Franz einen wunderbaren Biwakplatz bauten. Es war ein Traumbiwak. Wir genossen den ausklingenden Tag, die untergehende Sonne das Angehen der Lichter in Chamonix, das tief unten direkt zu unseren Füßen lag.

Franz war gerade von einer Expedition zurück, er hatte als einziger der Mannschaft den Talung Peak, einen Bergriesen von 7349m im Himalaya, Nepal/Indien in der Kanchenjunga Gruppe, mit seinem Sherpa Nindra ersterstiegen. Jenem Sherpa Nindra, der 5 Jahre später mit Kurt am Dhaulagiri unterwegs war und dann mit unseren Freunden für immer dort geblieben ist.

Es gab viel zu erzählen, wir schwelgten von vergangenen Fahrten, wir planten für die Zukunft, definierten unsere Ziele. Wenn das Wetter passt, werden wir in 2 Tagen zum Walkerpfeiler gehen. Wir waren auch dort. Unter seiner 75m Verschneidung biwakierten wir. In der Nacht riss uns ein gewaltiger Felssturz aus dem Schlaf und wir hatten das Gefühl, dass der ganze Berg in sich zusammenbricht. Am Morgen kehrten Franz und ich hier um. Franz, der direkt von seiner kräftezehrenden Expetition zurückgekehrt war, fühlte sich für den schwierigen Fels noch nicht fit genug.

Für Kurt und Ingrid wurde der Walkerpfeiler einer ihrer Meisterstücke, ein Prüf- und Meilenstein ihres Lebens. Ein gewaltiger Wettersturz mit orkanartigen Stürmen und Schnee bis fast ins Tal fesselte sie am Pfeiler. Gemeinsam mit einer anderen Seilschaft kämpften sie um ihr Leben, kämpften sich durch Schnee, vereisten Fels und den Orkan zum Gipfel. Für uns im Tal waren es schwere Stunden der Ungewissheit.

Sie kamen wieder. Wir waren glücklich. 5 Jahre später war uns dieses Glück verwehrt. Du, lieber Kurt, und deine wie auch unsere Kameraden kamen vom Berg eurer Sehnsucht nicht mehr zurück. Verschollen im ewigen Eis des Dhaulagiri.

Ich erwache aus meinen Tagträumen. Vor mir das Kreuz, das Ringkreuz. Du Kurt und auch deine geliebte Ingrid, die 1997 in einer Lawine ums Leben gekommen ist, seid hier nun wieder vereint. Die Berge waren euer Leben und wurden eure Erfüllung. Es waren herrliche Jahre mit euch! Zeiten, Erlebnisse, die unauslöschbar in unseren Herzen sind und weiterleben. Pfiat euch! Ich komme nach und dann sind wir wieder gemeinsam unterwegs!

In memoriam – Kurt Ring (1933-1969) 9